Über 1000 Fans feierten bei der SOOPA-Schlagernacht in Sossenheim – trotz Regen textsicher mit Marianne Rosenberg und weiteren Stars auf der Bühne.
Ein paar Takte reichen manchmal aus – und plötzlich weiß ein ganzer Platz, was zu tun ist. So war’s am Freitagabend auf dem Sossenheimer Kerbeplatz bei der Schlagernacht des SOOPA. Mehr als 1000 begeisterte Besucher kamen zusammen, die Hände gingen hoch, die Stimmen wurden heiser – und bei Marianne Rosenberg war schnell klar, wem dieser Abend gehört. „Er gehört zu mir“ ist nach mehr als 50 Jahren längst musikalisches Allgemeingut. Der Sound der Weltstadt lebt eben auch in Frankfurt-Sossenheim!
Was Marianne Rosenberg an diesem Abend so besonders macht? Sie spielt eben nicht einfach auf Oldie-Jukebox. Neben ihren Klassikern bringt sie auch viele neuere Lieder mit auf die Bühne. Selbst „Marleen“ kehrt nicht bloß als nostalgische Erinnerung zurück – Rosenberg singt eine neuere Variante, in der sie die Geschichte weiterschreibt und fragt, was eigentlich aus Marleen geworden ist. Ein Lied aus den 70ern bekommt plötzlich ein Heute.
Dazu gibt sie ihrem Publikum eine Lebensweisheit mit auf den Weg: „2020 habe ich meine erste Nummer-eins-LP aufgenommen“, erzählt sie – nach Jahrzehnten Karriere. Und dann dieser Satz, der wie die Bilanz eines langen Künstlerlebens klingt: „Darum lasst euch niemals sagen, eure Zeit sei vorbei.“ Chapeau, Marianne!
Dass Rosenberg für viele der eigentliche Grund für den Besuch ist, erzählen auch Sibylle und Andrea aus Nied sowie Silvia aus Goldstein. Die drei Freundinnen kommen seit Jahren zum SOOPA – diesmal aber vor allem wegen Marianne. Bei deren großen Songs sind sie absolut textsicher. Zur Gruppe gehört auch Jörg Hönsch, ein im Frankfurter Westen bekannter DJ, der mit professionellem Blick auf die Bühne schaut. Das Eröffnungslied „Schön, dass ihr da seid“ von Bapila Bell gefiel ihm so gut, dass er es demnächst selbst zum Auftakt eines Sets spielen will.
Mike Leon Grosch bringt eine ganz andere Farbe in den Abend: kräftigen Popschlager, viel Publikumsnähe und eine ordentliche Portion Selbstironie. Und dann setzt ausgerechnet während seines Auftritts der Regen ein. Grosch macht ihn kurzerhand zum Teil der Show: „Leute, die Regenabende sind die legendären. Im Sonnenschein kann jeder tanzen“, ruft er ins Publikum. Die Schirme gehen auf, die Regenponchos werden übergestreift – getanzt wird trotzdem. Typisch Frankfurt, oder?
Einen fast unerwarteten, leisen Moment schenkt Marie Reim dem Publikum. Sie braucht dafür erstaunlich wenig: ein paar volle Klavierakkorde. Sie stimmt Reinhard Meys „Über den Wolken“ an und bittet den Platz, mitzusingen. Nahtlos geht es weiter mit Roland Kaisers „Joana“, wieder getragen vom Klavier, wieder singt das Publikum mit. Keine große Show, kein musikalisches Feuerwerk – eine Sängerin am Klavier und Hunderte Stimmen davor. Gerade weil man einen solchen Moment zwischen Party, Tanz und großen Gesten nicht unbedingt erwartet hätte, bleibt er hängen.
Mit Lucas Cordalis steht schließlich ein Name auf der Bühne, der unmittelbar mit deutscher Schlagergeschichte verbunden ist. Er trägt das musikalische Erbe seines Vaters Costa Cordalis mit – und bringt den Kult-Schlager „Anita“ als Hommage an seinen vor sieben Jahren verstorbenen Papa. Ein Gänsehautmoment für alle Schlagerfans auf dem Kerbeplatz.
So lädt der Kerbeplatz zu einer Reise durch mehrere Schlagergenerationen: Marianne Rosenberg mit Klassikern und neuen Tönen, Mike Leon Grosch mit kräftigem Popschlager, Marie Reim mit einem überraschend stillen Moment und Lucas Cordalis mit einer gehörigen Portion Familiengeschichte. Ein bisschen Sehnsucht, ein bisschen Herzschmerz, Regen von oben – und sehr viel Mitsingen. Mit der Electro-Party am Samstag ging die sechste Ausgabe des SOOPA schließlich zu Ende. Drei Tage lang hatte das Festival den Kerbeplatz an der Kurmainzer in eine Feiermeile mit je tausend Besuchern verwandelt. Das beste Programm im Main-Gebiet? Das war definitiv auch in Sossenheim zu finden!

„Die unsichtbare Stadt



„Die unsichtbare Stadt


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