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Mädchen aus dem Main: Cold-Case-Unit klärt 25 Jahre alten Mordfall auf

Die Cold-Case-Unit Frankfurt löst den 25 Jahre alten Mordfall am „Mädchen aus dem Main

Redaktion
·
22. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Ein Name nach 25 Jahren: Diana S. aus Offenbach

Am 31. Juli 2001 fanden Passanten im Frankfurter Stadtteil Nied eine Leiche im Main – in ein Bettlaken mit Leopardenmuster gewickelt und mit einem Sonnenschirmständer beschwert. Das Mädchen sollte nie gefunden werden. Und doch: Es wurde gefunden. Nur wusste lange Zeit niemand, wer es war. Der Fall galt als hoffnungslos – bis jetzt.

25 Jahre nach der Tat steht fest: Das „Mädchen aus dem Main“ war Diana S. aus Offenbach. Sie war 16 Jahre alt, als sie starb – nach jahrelangen Misshandlungen durch ihren Vater. Seit Mai 2026 sitzt dieser in Untersuchungshaft. Der entscheidende Durchbruch gelang durch die internationale Fahnungskampagne „Identify Me“, mit der die Ermittler erneut die Öffentlichkeit um Hilfe baten. Die Hinweise, die daraufhin eingingen, waren entscheidend.

Die Cold-Case-Unit Frankfurt: Alte Fälle, neue Chancen

Dass ein solch alter Fall noch aufgeklärt wird, ist keine Selbstverständlichkeit. In Frankfurt gibt es seit 2019 eine eigene Abteilung für genau solche Fälle: die Cold Case Unit (CCU), die bei der Mordkommission angesiedelt ist. Kriminalhauptkommissar Nikolai Ullmann leitet sie. Als Cold Case gilt ein Fall, der mindestens fünf Jahre alt ist und bei dem es keine Ermittlungsansätze mehr gibt.

Ullmann und sein Team wühlen sich durch vergilbte Akten und prüfen, welche heutigen Ermittlungsmethoden auf alte Fälle angewendet werden können. Besonders die DNA-Technologie hat dabei alles verändert. „Heute reicht ein Mini-Tropfen“, sagt Ullmann über die Möglichkeiten moderner Blutanalyse. Auch Faser- und Haarspuren lassen sich heute viel präziser auswerten. Selbst Vernehmungen können die Ermittler wiederholen – denn mit der Zeit verändern sich Abhängigkeiten und Verhältnisse zwischen Menschen, und mancher erinnert sich Jahre später plötzlich doch an Dinge, die er damals nicht preisgab.

Um eine hohe zweistellige Zahl an Fällen kümmert sich die Einheit – alle ungelösten Fälle seit den 1980ern gehören dazu. Aber auch ältere Hinweise werden nicht ignoriert: „Wenn wir einen Hinweis zu einem Fall von 1960 bekommen, ignorieren wir den nicht“, betont Ullmann.

Erfolge und offene Fälle

Die CCU kann bereits auf Erfolge zurückblicken. Ein Frankfurter Optiker wurde 1994 leblos in seinem Laden in der Großen Eschenheimer Straße gefunden. 2017 entdeckte eine Beamtin den entscheidenden Hinweis: Ein Fingerabdruck auf einem Stück Toilettenpapier führte zu einem Volltreffer – der Tatverdächtige war inzwischen wegen eines anderen Delikts im System gespeichert. Der Täter wurde schließlich wegen Raubes mit Todesfolge verurteilt.

Andere Fälle sind noch immer offen. Der Mord an Tristan Brübach, der 1998 als 13-Jähriger in einem Tunnel nahe der S-Bahn-Station Höchst getötet wurde, beschäftigt Ullmanns Team weiterhin. Mord verjährt in Deutschland nicht – das gibt der CCU Zeit. Aber auch Geduld, denn nicht jeder Fall lässt sich lösen.

Kinderschutz und gesellschaftliche Verantwortung

Der Fall Diana S. macht deutlich, wie wichtig Schutzstrukturen für Kinder und Jugendliche sind – besonders dann, wenn Gefahr aus dem eigenen familiären Umfeld kommt. Das ist auch ein Thema, das Organisationen wie den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Frankfurt antreibt. Wie wir in einem früheren Beitrag berichtet haben, setzt sich der SkF Frankfurt seit 125 Jahren für Frauen, Kinder und Familien in Not ein – und verzeichnet zuletzt steigende Inobhutnahmezahlen, unter anderem wegen eines Mangels an Pflegefamilien. Prävention und frühzeitige Unterstützung bleiben dabei zentrale Forderungen.

Für Angehörige ist kein Fall jemals kalt

Nikolai Ullmann beschreibt sich selbst als „hoffnungslosen Optimisten“. Was ihn antreibt, sind vor allem die Angehörigen der Opfer. Für sie sind die Fälle nach all den Jahren nicht kalt – sie sind brandaktuell. „Zu wissen, dass der Fall nicht vergessen ist, ist für die Angehörigen wahnsinnig hilfreich“, sagt er.

Und er gibt eine klare Botschaft mit: Wer etwas weiß, soll es melden – egal wie lange es her ist. „Zeit sollte niemals ein Faktor sein, um zu denken: Ich sag nix mehr.“ Der Fall des Mädchens aus dem Main beweist: Es lohnt sich immer.

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