Leere Kühlregale in Frankfurter Supermärkten während der Hitze – kein Defekt, sondern Physik! Warum CO₂-Kälteanlagen bei über 31 Grad abschalten und was jetzt…
Wer während der jüngsten Hitzeperiode in Frankfurt oder dem Rhein-Main-Gebiet schnell einen Joghurt, Frischfleisch oder ein kühles Getränk holen wollte, stand manchmal buchstäblich vor verschlossenen Rollläden. Kühlregale leer, notdürftig abgedeckt – was aussah wie mangelnde Wartung, ist in Wahrheit ein faszinierendes physikalisches Dilemma. Und das hat direkt mit Umweltschutz zu tun!
In den vergangenen Jahren hat die Lebensmittelbranche massiv auf klimafreundliche Kältetechnik umgestellt. Klimaschädliche F-Gase wurden aus den Kühlanlagen verbannt. Stattdessen setzen Supermärkte und Discounter wie Aldi, Lidl und Rewe heute fast flächendeckend auf Kohlendioxid (CO₂) als natürliches Kältemittel – in der Fachsprache R744 genannt. CO₂ ist günstig, zerstört die Ozonschicht nicht und ist extrem klimafreundlich. Klingt perfekt – hat aber eine Achillesferse.
Der sogenannte kritische Punkt von CO₂ liegt bei etwa 31 Grad Celsius. Steigt die Außentemperatur in der Mainmetropole über mehrere Tage deutlich über diese Marke, muss die Anlage in den sogenannten „transkritischen“ Betrieb wechseln. Um die nötige Kälte noch erzeugen zu können, muss das System das Gas unter enormen Druck setzen – vergleichbar mit einem Schnellkochtopf. Irgendwann ist der maximale Betriebsdruck erreicht, und die Anlage schaltet sich zum Schutz vor Schäden automatisch ab. Kein klassischer Defekt – sondern die Notbremse der Technik!
Das Problem wird noch größer durch die Bauweise der Märkte selbst. Betonböden, dicke Wände und laufende Kassen heizen sich tagelang auf und geben diese Wärme kontinuierlich an den Innenraum ab. Gleichzeitig müssen die Ventilatoren auf den Dächern der Frankfurter Supermärkte die produzierte Wärme nach außen abführen – aber wenn die Außenluft bereits fast 40 Grad heiß ist, kann sie kaum noch zusätzliche Wärme aufnehmen. Die Kühlanlagen laufen dann unter Volllast am absoluten Limit.
Tobias Henritzi von der Kommunikationsabteilung bei Lidl bestätigt das offen: „In den vergangenen Wochen kam es in einzelnen Lidl-Filialen zu einer technischen Störung an einem Teilbereich der Kälteanlagen. Dadurch war das gekühlte Sortiment teilweise eingeschränkt verfügbar.“ Gleichzeitig betont Lidl, dass regelmäßige Wartung und Instandhaltung im Normalfall längere Ausfälle verhindern – aber bei punktuellen Extremereignissen sei trotz sorgfältiger Maßnahmen ein Ausfall möglich.
Keine Panik – die Lebensmittelsicherheit hat oberste Priorität! Kirsten Hensen, Mediensprecherin der Rewe Group, erklärt: „Die Ware kann in solchen Fällen grundsätzlich in die Kühlflächen der rückwärtigen Bereiche umgelagert werden. In jedem Fall haben die Sicherheit und Qualität unserer Produkte sowie die lückenlose Einhaltung der Kühlkette für uns oberste Priorität.“ Rollläden fahren also vor die Kühlregale, Produkte werden sofort gesichert und umgelagert.
Auch Aldi Süd setzt auf Technologie zur Früherkennung. Experte Jens Straßburg erläuterte bereits in der Vergangenheit: „Mithilfe eines intelligenten Monitoringsystems, das unter anderem für die Kältetechnik entwickelt wurde, können wir alle kältetechnischen Energieverbraucher der Filialen genau auslesen.“ Bei signifikanten Abweichungen werde automatisch Alarm ausgelöst, wodurch technischen Ausfällen effektiver vorgebeugt werden könne.
Die Branche rüstet bereits technisch nach. Eine vielversprechende Lösung ist die sogenannte adiabatische Kühlung: Feine Düsen versprühen an heißen Tagen einen Wassernebel direkt vor den Ventilatoren auf dem Supermarktdach. Die entstehende Verdunstungskälte kühlt die angesaugte Luft um entscheidende Grad ab – der Druck in der Anlage sinkt wieder auf ein sicheres Niveau. Bis solche Nachrüstungen flächendeckend zum Standard gehören, werden Frankfurter Supermarkt-Besucher an extremen Hitzetagen aber wohl noch öfter vor temporär geschlossenen Kühlregalen stehen.
Der Sound der Weltstadt – und das Wissen, das Frankfurt bewegt! Ihr wollt immer up to date bleiben, was in eurer Stadt passiert? Dann bleibt dran bei Radio Frankfurt, eurem Heimsender für alles, was im Main-Gebiet wichtig ist. Jetzt reinhören!






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.