
Tsirk Dobranotch bringt einzigartigen Klezmer-Zirkus zu den Tagen des Exils nach Frankfurt. Am 22. und 23.
Frankfurt bekommt im September ein Kulturerlebnis, das es so wohl kein zweites Mal auf der Welt gibt: Tsirk Dobranotch – ein einzigartiges Klezmer-Zirkusprojekt – gastiert im Rahmen der Tage des Exils im Zirkus Zarakali im Stadtteil Dornbusch. Trapezkünstlerin und Sängerin Eliana Pliskin Jacobs hat mit der Band Dobranotch und Pantomime-Künstler Paul Milmeister eine bunte Truppe zusammengestellt, die Musik, Akrobatik und jiddischen Humor zu einem sinnlichen Gesamterlebnis verbindet. Der Sound der Weltstadt trifft hier auf Migrationsgeschichte, Klezmer und Zirkusmagie – und das auf eine Art, die euch wirklich bewegt!
Die Geschichte hinter Tsirk Dobranotch ist selbst schon fast eine Show wert. Eliana Pliskin Jacobs lernte die Musiker von Dobranotch im März 2023 bei einer Trauerfeier für einen gemeinsamen Freund kennen. Dobranotch kam ursprünglich aus St. Petersburg und floh nach dem Angriff auf die Ukraine – zunächst in die Türkei, dann nach Deutschland. Der Klarinettist der Band lebte zuvor zwei Jahre in Bulgarien. Paul Milmeister, Pantomime und Bassist, kommt ursprünglich aus der Ukraine und zog als Kind mit seiner Familie nach Deutschland.
Eliana selbst stammt aus den USA – ihre Großmutter sogar aus Frankfurt. Ihre Großeltern waren Holocaust-Überlebende, ihre andere Großmutter kam aus dem Gebiet, das damals Polen war und heute Belarus ist. Diese gemeinsame Migrationsgeschichte ist das Herzstück der Show: „Migrationsgeschichte ist was uns zusammen gebracht hat“, sagt Eliana. „Jüdische Migration ist ein Kernpunkt in jüdischer Geschichte.“
Klingt ungewöhnlich? Ist es – aber es funktioniert! Klezmer ist traditionell nicht ortsgebunden, sondern hat sich mit den jiddischen Gemeinden über die ganze Welt verbreitet und dabei unzählige kulturelle Einflüsse aufgesaugt. Zirkus wiederum feiert die Vielfalt des Menschseins, die Grenzen des Körpers und das Staunen. Beides lebt von Instabilität, von Bewegung, von diesem besonderen Gefühl – auf Englisch „awe“ – das Eliana so beschreibt: „Ein positiver Schock, Bewunderung. Ich finde das ist ein nötiges Element von Leben.“
Die Show trägt den Titel Tshemodan – Jiddisch für Koffer. Ein starkes Symbol für alle, die ihre Heimat verlassen mussten und das Leben im Gepäck tragen. Und Eliana ist überzeugt: Tsirk Dobranotch ist weltweit das einzige Klezmerzirkusprojekt, das auf internationaler Ebene auftritt.
Was macht jiddischen Humor so besonders? Eliana bringt es auf den Punkt: „Lachen ist eine der stärksten Waffen.“ Als Enkelin von Holocaust-Überlebenden sieht sie dunklen Humor nicht als Respektlosigkeit, sondern als eine Form von Widerstand und Resilienz. Über das Unfassbare lachen zu können – das ist für sie ein Zeichen dafür, dass man noch lebt und das Leben trotz allem schön ist. Diese Haltung zieht sich durch die gesamte Show.
Die Auftritte finden im Rahmen der Tage des Exils statt, die vom 20. August bis 6. September 2026 in Frankfurt stattfinden. In rund 50 Veranstaltungen laden Theater, Kinos, Museen, private Initiativen und Vereine dazu ein, sich mit dem Thema Exil in Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen. Tsirk Dobranotch tritt dabei am 22. und 23. September 2026 im Zirkus Zarakali, Platenstr. 79z, jeweils um 19:30 Uhr auf.
Eliana hat dabei eine klare Botschaft zur Erinnerungskultur: Zahlen berühren niemanden. Individuelle Geschichten schon. Kunst – ob Musik, Zirkus oder Poesie – schafft Empathie. Und Empathie ist der erste Schritt, um Verantwortung zu übernehmen. „Wenn wir es erreichen, Mitgefühl zu geben, dann ist das schon etwas.“
Das beste Programm im Main-Gebiet wartet auf euch – lasst euch dieses einmalige Erlebnis nicht entgehen und holt euch eure Tickets! Mehr Infos zum vollständigen Programm der Tage des Exils gibt es auf der Website der Körber-Stiftung.






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