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Kleine Auszeit vom Krieg: 15 Kinder aus Hostomel zu Gast in Bad Vilbel

15 Kinder aus dem ukrainischen Hostomel haben eine kleine Auszeit vom Krieg in Bad Vilbel verbracht. Wie der Besuch ablief und was ihn so besonders macht.

Redaktion
·
5. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Eine weite Reise für ein bisschen Normalität

Fast 48 Stunden waren sie unterwegs – mit Bahn und Bus von Hostomel über Prag und Frankfurt bis nach Bad Vilbel. 15 Kinder aus der Ukraine und drei Betreuerinnen sind dort angekommen, eingeladen vom Städtepartnerschaftsverein Bad Vilbel-Ukraine. Eine Reise, die es so in sich hatte: In der Nacht vor der Abfahrt heulten zweimal die Luftalarmsirenen. „Wir hatten Bedenken, dass wir nicht losfahren können“, erinnert sich Kateryna Pavlenko, eine der Betreuerinnen und Angestellte bei der Stadt Hostomel. Doch am Ende hat es geklappt – und die Kinder konnten endlich durchatmen.

Leuchtende Augen bei der Bad Vilbeler Feuerwehr

Am Montagabend stand ein ganz besonderer Programmpunkt auf dem Plan: die Kinder zu Gast bei der Bad Vilbeler Feuerwehr. Erst in der Kernstadt, wo sie mit der Drehleiter in schwindelerregende Höhen durften, dann weiter nach Massenheim – mit Grillen, Spielen und jeder Menge Spaß. Die Idee, die Kinder erst einfach spielen zu lassen und den offiziellen Teil nach hinten zu schieben, war goldrichtig. Bobbycars, Tennisbälle, freies Toben auf dem Hof – leuchtende Augen überall.

Dabei klingt es so simpel und ist doch so bedeutsam: In Hostomel können die Kinder nicht in großen Gruppen draußen spielen. Zu groß ist die Gefahr eines Raketeneinschlags. Was für uns selbstverständlich ist, ist für diese Kinder ein echtes Geschenk.

Geschichten, die unter die Haut gehen

Hinter den strahlenden Gesichtern stecken oft schwere Schicksale. Sechs der 15 Kinder haben ihren Vater im Krieg verloren. Die Väter anderer kämpfen noch immer an der Front. Einige kommen aus Häusern, die zerstört wurden, andere sind aus noch umkämpfteren Gebieten nach Hostomel geflüchtet. Manche werden von Psychologen betreut, weil der Krieg tiefe Spuren hinterlassen hat. Und trotzdem gehen sie zur Schule, lernen weiter – auch wenn der Strom ausfällt und das Heft nur im Kerzenschein lesbar ist.

Pavlenko eröffnete ihren Redebeitrag mit einer Erklärung des Namens Hostomel: Er bedeute, Gäste herzlich willkommen zu heißen. Danach folgte eine Schweigeminute – so wie jeden Tag um 11 Uhr in der Ukraine, im Gedenken an alle Gefallenen, die ihr Land und Europa verteidigen. Ein Moment, der niemanden kalt ließ.

Verbindung, die seit Jahrzehnten trägt

Für die Bad Vilbeler Feuerwehr war dieser Abend keine Pflichtveranstaltung, sondern eine echte Herzensangelegenheit. Schon seit der Tschernobyl-Katastrophe holen sie regelmäßig Kinder aus der Ukraine in die Quellenstadt. Ehrenstadtbrandinspektor Gerhard Stengel hat bis heute Kontakt zu einigen von ihnen. Jetzt soll daraus noch mehr werden: Die Vilbeler Wehr wünscht sich eine offizielle Partnerschaft mit der Feuerwehr in Hostomel. Klaus Splittdorf gab Pavlenko einen Wimpel mit, den sie der Hostomeler Wehr überreichen soll – ein schönes Symbol für die wachsende Verbindung.

Bürgermeister Sebastian Wysocki zollte dem Partnerschaftsverein großen Respekt für die Organisation dieser Aktion. Die bewegendsten Worte des Abends richtete er jedoch direkt an die Kinder: „Ich hoffe, dass ihr viele tolle Dinge erlebt und Bad Vilbel mit Sonnenschein im Herzen verbindet.“ Auch der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Ralf Decker, freute sich einfach – dass die erste große Aktion des Vereins ein Erfolg wurde und die Kinder sicher angekommen sind. Symbolisch erhielt der Verein an diesem Abend noch eine Spende der Reinhard-Wilhelm- und Heidemarie-Schmidt-Stiftung.

Ein Wunsch, der alles sagt

Pavlenko brachte Geschenke aus Hostomel mit – für den Bürgermeister, die Feuerwehr, den Partnerschaftsverein und weitere Beteiligte. Und sie fand Worte, die nachhallen: „Ihr seid die Ersten, die in diesen vier Jahren etwas Wichtiges für uns getan haben. Denn wichtig ist, wenn Kinder lachen. Das ist unsere Zukunft.“ Und dann ihr Wunsch: „Ich wünsche für alle Kinder in der Ukraine und Europa Frieden.“

Diese Kinder haben verdient, mal lachen zu dürfen. Bad Vilbel hat das möglich gemacht – und das ist alles andere als selbstverständlich.

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