Nicolas Gerber rettet dem JC Samurai Offenbach in letzter Sekunde das 7:7 gegen Rüsselsheim – obwohl er eigentlich auf einem Kindergeburtstag war.
Was für ein Abend in der Offenbacher Sportfabrik! Die Halle brodelt, die Zuschauer stehen nicht mehr auf ihren Plätzen – und dann passiert das Unglaubliche: Nicolas Gerber vom JC Samurai Offenbach setzt in den letzten Sekunden des letzten Kampfes einen Selbstfallerwurf gegen Rüsselsheims Nils Faßmann an. Und er trifft. 7:7. Ekstase pur. Das Derby gegen den JC Rüsselsheim endet unentschieden – und fühlt sich trotzdem an wie ein Sieg.
Gerber ballt die Faust Richtung Tribüne, klatscht die aufgesprungenen Kinder am Mattenrand ab und verschwindet dann im kollektiven Jubel seiner Teamkollegen. Hüpfende und tanzende Menschen, ein ohrenbetäubender Lärmpegel – der Sound dieser Szene ist unvergesslich.
Was kaum jemand weiß: Nicolas Gerber war gar nicht für diesen Kampf eingeplant. Als Jugendtrainer beim JC Samurai ist er eigentlich derjenige, der andere auf solche Momente vorbereitet. An diesem Tag war er mit seiner Tochter auf einem Kindergeburtstag – Kuchenessen statt Bundesliga-Judo. Dann klingelt das Telefon. Francesco Liotta, Vorsitzender und Trainer des JC Samurai, ruft an. Personalnot. Gerber sagt sofort zu.
„Der Judoclub Samurai ist wie eine Familie. Francesco macht alles für diesen Verein und seine Sportler. Da ist es selbsterklärend, dass ich in so einer Situation kurzfristig bereitstehe“, erklärt Gerber nach seinem großen Auftritt. Und dann fügt er hinzu: „Ich habe im letzten Moment zu meiner Tochter auf der Tribüne geschaut und nur gedacht, dass ich diesen Kampf jetzt erneut gewinnen muss. Alles oder nichts. Ich hatte den Willen und das nötige Quäntchen Glück.“
Francesco Liotta ist nach dem intensiven Kampftag fix und fertig – aber glücklich. „Wir hatten einige Ausfälle, teilweise auch kurzfristig, haben in der ersten Runde alles reingeworfen und hatten auf eine 5:2-Führung gehofft. Es wurde leider nur ein 4:3. Im zweiten Abschnitt standen wir nach den drei nötigen Wechseln mit dem Rücken zur Wand, und Nicolas hat uns gefühlt in letzter Sekunde den Arsch gerettet. Es fühlt sich an wie ein Derbysieg, auch wenn wir das Finale verpasst haben“, so Liotta.
Für das Punktekonto des JC Samurai sorgten neben Gerber auch Yannick van der Kolk (2 Punkte, bis 81 kg), Markus Seifert (2 Punkte, bis 90 kg), Luca Janzen (1 Punkt, bis 100 kg) sowie der erstmals eingesetzte Islam Kamran Oglu Rahimov (1 Punkt, bis 66 kg). Auf Rüsselsheimer Seite sitzt das Team nach dem verpassten Sieg noch lange geknickt in seiner Ecke.
Das 7:7 bedeutet auch: Die Offenbacher verpassen am vorletzten Kampftag der Judo-Bundesliga Süd die Chance auf den erstmaligen Einzug ins Final-Four. Rüsselsheim belegt nach diesem Ergebnis Platz zwei, hat seine Saison aber bereits beendet. Noch offen ist, ob Speyer beim letzten Spieltag in Offenbach die Rüsselsheimer in der Tabelle überholen kann – mit Blick auf das Finale im Oktober in Wuppertal eine enge Kiste.
Für Gerber persönlich war dieser Abend noch aus einem anderen Grund besonders: Er hat seinen Heldenwurf vor seinen eigenen Trainingskindern vollbracht. „Das ist schon cool, dass so viele Samurai-Kinder da sind und ich mit ihnen feiern kann“, gibt er zu. Liotta ergänzt bewundernd: „Eine bessere Motivation gibt es nicht. Der Trainer als Idol für die eigene Jugend.“
Und wie sieht’s beim letzten Saisonkampf gegen Speyer aus – gibt’s einen Gerber-Einsatz? Der Jugendtrainer schüttelt grinsend den Kopf: „Da heiratet ein enger Freund – das geht wirklich nicht.“ Manche Dinge sind eben auch für echte Derby-Helden unverhandelbar. Bleibt zu hoffen, dass die Samurai auch ohne ihn nochmal alles geben!






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