Il Civetto verwandelte die Bad Nauheimer Trinkkuranlage in eine Tanzfläche und begeisterte rund 500 Fans.
Was für ein Abend in Bad Nauheim! Die Berliner Band Il Civetto hat bei der städtischen Sommerkonzert-Reihe in der Trinkkuranlage rund 500 Besucher zum Tanzen gebracht – und das auf einer ganz besonderen Fläche: Das trockengelegte Wasserbecken vor der Konzertmuschel blieb erstmals in dieser Saison unbestuhlt. Tanzfläche statt Stuhlreihen – genau die richtige Entscheidung, wie sich zeigen sollte!
Ganz reibungslos lief der Abend allerdings nicht an. Gut eine Stunde vor Konzertbeginn fing es an zu regnen, und das Areal füllte sich nur langsam. Doch das Nass von oben hörte schnell wieder auf, die Sonne kam hervor, und mit knapp 15-minütiger Verspätung startete ein fast 100-minütiger Tanzevent. Frontmann Leon Keiditsch brachte es auf den Punkt: „Schön, dass es mal geregnet hat, das sind perfekte Bedingungen für einen richtig schönen Abend.“
Mit „Alles gut“ und „Liebe auf Eis“ – dem Titelsong des letzten Albums – legten die Berliner sofort los. Textsicher sangen die Fans mit, und selbst die wenigen Besucher, die auf den Stühlen rund um das Becken saßen, machten zumindest mit den Füßen mit. Die Stimmung? Von Anfang an auf 100!
Dass nur vier Musiker auf der Bühne standen, hatte einen besonderen Grund: Gitarrist Robert Kondorosi war erkrankt und konnte nicht mitkommen. Doch ganz ohne ihn war der Abend dann doch nicht – der Gitarrist hatte alle Parts kurzerhand „im Krankenbett“ aufgenommen, und so war sein Spiel trotzdem zu hören. „Das zu erklären ist zu kompliziert, wir hören Robert über unsere Kopfhörer und ihr hört sein Spiel auch“, erklärte Keiditsch dem Publikum.
Auf der Bühne wirbelte Keiditsch gemeinsam mit Saxofonist Lars Löffler-Oppermann unermüdlich herum. Löffler-Oppermann spielte Tenorsaxofon, Baritonsaxophon und zwischendurch auch Klarinette – und trieb die Fans mit einem ganz eigenen „Kick-Stelzengang“ an. Bassist Dany Ahmad und Schlagzeuger Leon Bollinger sorgten für den treibenden Rhythmus, wobei Ahmad hin und wieder mit kurzen Soli glänzte.
Il Civetto spielen einen bunten Mix aus Pop-, Swing-, Folk- und Balkanelementen – und das alles auf Deutsch, oft sehr poetisch. Die Texte handeln von der Liebe in all ihren Facetten, aber auch von der Sehnsucht nach Veränderung, wie im Song „Andere Welt“. „Die Zukunft kommt, die Krise bleibt“, singt Keiditsch – und alle sangen mit.
Auch politisch wurde es an diesem Abend. Keiditsch machte klar: „Es ist nicht leicht, heute bei all den Krisen, Kriegen und Wahlergebnissen der AfD.“ Löffler-Oppermann ergänzte: „Gegen Rassismus und Abschiebewahn. Ich frage mich: Wo ist unsere Wut?“ Passend dazu erklang der Song „Jemand“, während im Publikum „Nazis raus!“-Rufe zu hören waren. Doch Keiditsch blieb optimistisch: „Wir bleiben optimistisch“ – und die Party ging weiter!
Besonderes Highlight für die Fans: Il Civetto präsentierten mit „Glücklich“ und „Träume aus Lava“ zwei brandneue Songs vom neuen Album, das am 28. August erscheinen wird. Den Abschluss machte das über zehn Jahre alte „Baba che“ – ein tanzbarer Mitsing-Song, der die Party in der Trinkkuranlage fulminant beendete.
Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat: Am 5. September spielt Il Civetto ihr Album-Konzert in Offenbach. Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen! Jetzt reinhören – der Sound der Weltstadt ist immer dabei. 🎶






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