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Hitzetod in Friedberg: Mann stirbt allein – Vermieterin zahlt drauf, Stadt appelliert

Ein Mann stirbt in Friedberg allein den Hitzetod – erst nach vier Tagen gefunden. Die Vermieterin zahlt 25.000 Euro, die Stadt appelliert: Schaut aufeinander!

Redaktion
·
8. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Die Hitzewelle hat ein trauriges Gesicht bekommen

Die extremen Temperaturen im Rhein-Main-Gebiet hatten wir euch bereits angekündigt – in einem früheren Beitrag zur Hitzewelle mit bis zu 36 Grad haben wir euch geraten, viel zu trinken und kühle Orte aufzusuchen. Jetzt zeigt sich, wie ernst diese Warnung gemeint war. Die Hitzewelle hat in Friedberg ein Menschenleben gefordert – und hinterlässt neben einer Tragödie auch eine verzweifelte Vermieterin und einen dringenden Appell der Stadt.

Mann stirbt unter dem Dach – und wird erst vier Tage später gefunden

Ein 58-jähriger Mann, herzleidend und körperlich eingeschränkt, aber nach Aussage seiner Vermieterin lebensfroh, starb in seiner Dachgeschosswohnung in Friedberg den Hitzetod. Er lebte in einer Art Studierendenzimmer unter dem Dach des Mietshauses. Seine Mitbewohner hatten kurz zuvor noch Kontakt zu ihm gehabt – als sie dann nichts mehr von ihm hörten, gingen sie davon aus, er sei unterwegs.

Erst als ein Geruch in dem Haus auffiel, riefen die Nachbarn die Polizei. Die Feuerwehr brach die Tür auf – der Mann war da vermutlich bereits seit vier Tagen tot. Er hatte von Grundsicherung gelebt und war allein. Ein erschütternder Fall, der zeigt, was passiert, wenn niemand hinschaut.

Für die Vermieterin wird die Tragödie zum finanziellen Albtraum

Die Vermieterin steht nicht nur unter dem emotionalen Schock – sie kämpft auch mit den materiellen Folgen. Körperflüssigkeiten des Verstorbenen flossen in Wand und Boden sowie durch einen Kabelkanal in die Etage darunter. Sie musste Bewohner ausquartieren, Boden, Decke und Wände abtragen lassen, Balken freilegen und die Luft mit einem Ozongerät reinigen. Sechsmal rückten Tatortreiniger an.

Allein für diese Reinigungsarbeiten muss sie 25.000 Euro zahlen – und ein Ende ist noch nicht absehbar. Dazu kommen Mietausfälle. Weder die Haftpflichtversicherung des Verstorbenen noch ihre eigene Gebäudeversicherung springt ein. Und auch der Wetteraukreis lehnte eine Übernahme der Kosten ab: Die Sozialhilfe ende mit dem Tod des Leistungsempfängers, ein weiterer Anspruch der Vermieterin gegenüber dem Kreis bestehe nicht.

„Ich weiß nicht, was noch dazukommt“, sagt die Frau resigniert. Während sie erzählt, muss sie sich setzen.

Was die Stadt Friedberg jetzt tut

Die Stadt Friedberg reagiert auf den Fall mit einem klaren Appell: Gegenseitige Aufmerksamkeit ist gerade in Hitzeperioden entscheidend – besonders gegenüber allein lebenden, älteren oder gesundheitlich gefährdeten Menschen. Die Pressestelle betont, man habe sich bereits mit der Frage beschäftigt, wie Bürgerinnen und Bürger an heißen Tagen Entlastung finden können.

  • Infos zu kühlen und schattigen Orten in Friedberg wurden über die städtischen Social-Media-Kanäle veröffentlicht und sollen auch auf der städtischen Website erscheinen.
  • Am Elvis-Presley-Platz steht kostenloses Trinkwasser zur Verfügung.
  • Der Wetteraukreis bietet eine interaktive Karte mit kühlen Orten im gesamten Kreisgebiet an – auch für Friedberg.

Mietrecht bei Hitze: Was Mieter wissen sollten

Rechtsanwalt Michael Klaus aus Friedberg erklärt: Sommerliche Hitze in der Wohnung ist grundsätzlich kein Mangel, der zur Mietminderung berechtigt. Bei Dachgeschosswohnungen im Bestand ist ein Minderungsanspruch sogar ausgeschlossen – denn beim Abschluss des Mietvertrags ist in der Regel erkennbar, dass sich solche Wohnungen bei Hitze stark aufheizen. Wer in einer Dachgeschosswohnung mietet, sollte das also von Anfang an einkalkulieren oder klare Vereinbarungen treffen – was laut Klaus aber kaum zu erreichen sein dürfte.

Schaut hin – füreinander!

Dieser Fall macht betroffen. Ein Mensch stirbt allein in unerträglicher Hitze, wird tagelang nicht gefunden – und hinterlässt neben der menschlichen Tragödie auch finanzielle Verwüstung bei denen, die nichts dafür können. Die Botschaft ist klar: Schaut auf eure Nachbarn, eure Verwandten, die älteren Menschen in eurem Umfeld. Ein kurzer Anruf, ein Klopfen an der Tür – das kann Leben retten. Das ist der Sound der Weltstadt: füreinander da sein.

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