Studio-Hotline 069–669 669 0

Hilfe auf Rädern: „upstairs

Die Initiative „upstairs

Redaktion
·
24. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Wochen

Ein buntes Wohnmobil als Lebensretter

Stell dir vor, du bist 18, hast keine Wohnung, keine Meldeadresse und weißt nicht, wohin du gehen sollst. Genau hier setzt die Initiative „upstairs“ an – und das seit 25 Jahren. Mit einem bunt bemalten Wohnmobil vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof bieten Sozialarbeiterinnen jungen Menschen in Not eine echte Anlaufstelle. Kein Amt, keine lange Wartezeit – einfach da sein, wo die Menschen ohnehin sind.

Wohnungslosigkeit unter Jungen: Die Zahlen sprechen für sich

Wohnungslosigkeit ist längst kein Problem, das nur ältere Menschen trifft. Laut Statistischem Bundesamt waren in Deutschland zum Stichtag 31. Januar 2026 etwa 185.700 Menschen unter 25 Jahren wegen Wohnungslosigkeit untergebracht. Ein Jahr zuvor lag die Zahl sogar auf einem neuen Höchstwert von 194.600. Erschreckend: Seit 2022 hat sich die Zahl der betroffenen jungen Menschen nahezu verdreifacht – damals waren es noch rund 65.800 Personen.

Hinter diesen Zahlen stecken echte Schicksale. Yasmin zum Beispiel war einmal selbstständig, hatte ihre eigene Wohnung und ihr eigenes Einkommen. Dann wurde sie psychisch krank, zog wieder zu ihren Eltern – und wurde schließlich mit einer Metallstange bedroht und aus dem Haus gejagt. Seitdem lebt sie von Stadt zu Stadt, von Nacht zu Nacht. „Ich habe aus erster Hand erfahren, wie das System versagt“, sagt sie.

Das Konzept: Niedrigschwellig, mobil, menschlich

Die Idee für „upstairs“ entstand im Jahr 2001 aus der Jugendhilfe-Arbeit des Evangelischen Vereins für Innere Mission in Nassau (EVIM). Fachkräfte stießen immer wieder auf junge Menschen, die wohnungslos waren oder kurz davor standen – aber keinen Zugang zu Ämtern oder Hilfsangeboten fanden. Die Lösung: eine komplett spendenfinanzierte, mobile Anlaufstelle.

An vier Tagen pro Woche sitzen Sozialarbeiterin Trucy Vo und ihre Kollegin Anna-Lena Kissinger mit Campingstühlen auf der Wiese vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof. Bei schlechtem Wetter geht es ins Wohnmobil – dem echten Markenzeichen von „upstairs“. In vielen Schubladen lagern sie das Nötigste: Hygieneartikel, Briefumschläge, Stifte, Snacks und Getränke. Dazu kommen Lebensmittelgutscheine und die Vermittlung von Übernachtungsmöglichkeiten. Vo kennt die richtigen Anlaufstellen und begleitet junge Menschen bei Bedarf direkt zu Behörden – damit sie, wie sie es selbst ausdrückt, „mit beiden Beinen zurück ins Leben kommen“.

Alex: Vom Rausschmiss zur eigenen Wohnung

Dass das Konzept funktioniert, zeigt die Geschichte von Alex. Mit 18 Jahren kam er zu „upstairs“, nachdem er von seiner Mutter rausgeworfen worden war. Zuhause hatte er viel Gewalt erlebt, die Polizei musste immer wieder geholt werden. Per Internetrecherche stieß er auf das Angebot – und fand dort über zwei Jahre lang Hilfe. Nicht nur materiell, auch emotional: „Es ist ein Ort, an dem man einfach sein kann. Das ist einiges wert, wenn man das Gefühl hat, man ist immer unsichtbar und gesellschaftlich nicht erwünscht.“ Heute lebt Alex in einer eigenen Wohnung, hat eine Ausbildung abgeschlossen und studiert.

Der Wohnungsmarkt: Eine echte Katastrophe

Doch der Weg in die eigene Wohnung bleibt für viele ein langer. „Der Wohnungsmarkt ist eine Katastrophe“, sagt Sozialarbeiterin Vo. Wohnraummangel, steigende Mieten und fehlende Bürgschaften machen es jungen Menschen besonders schwer. Seit 2023 bietet „upstairs“ deshalb im Rahmen eines Bundesprogramms in Zusammenarbeit mit der Stadt Wiesbaden ein sogenanntes Clearinghaus an: Sechs bis acht Personen bis zu 27 Jahren können dort bis zu 18 Monate lang leben und echte Perspektiven für ein eigenständiges Leben entwickeln.

Auch Yasmin hofft, dort bald einziehen zu können. Eine Wohnungsbesichtigung ist bereits vereinbart – ein Zimmer ist frei. Vielleicht der Beginn eines neuen Kapitels für sie.

25 Jahre Einsatz für die Jüngsten

„upstairs“ feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen – und bleibt so wichtig wie nie. Das bunte Wohnmobil vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof steht für mehr als nur Sozialarbeit: Es steht für Würde, für Zuhören und für die Überzeugung, dass niemand durchs Raster fallen sollte. Jetzt reinhören und mehr über solche Geschichten aus der Region erfahren – nur bei Radio Frankfurt, dem Sound der Weltstadt!

Quellen

Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.
Einsatz von KI
Dieser Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage redaktionell ausgewählter Quellen erstellt, mehrstufig geprüft und vor der Veröffentlichung durch unsere Redaktion freigegeben. KI-generierte Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.