Grüne Blätter im August im Stadtwald? Das ist kein früher Herbst, sondern ein Notsignal. Revierförster Maximilian Kraus erklärt, was Hitze und Trockenheit…
Ihr seid gerade durch den Stadtwald spaziert und habt euch gewundert, warum da schon so viel Laub auf dem Boden liegt – und das mitten im August? Ihr seid nicht allein. Was sich nach frühem Herbst anfühlt, ist in Wirklichkeit ein Notsignal der Natur. Der Hitzesommer macht den Bäumen massiv zu schaffen, und das ist im Offenbacher Stadtwald gerade deutlich zu sehen und zu spüren.
„Die Situation ist gerade ziemlich heftig“, sagt Revierförster Maximilian Kraus. Er ist seit Dezember vergangenen Jahres für rund 1.300 Hektar Stadtwald verantwortlich – aufgeteilt auf die Reviere Tempelsee, Wildhof Richtung Heusenstamm sowie den Lohwald. Bei einer Waldführung mit der Lokalen Agenda 21 in Tempelsee hat er jetzt Klartext geredet.
Der Boden ist bedeckt mit Laub – darunter auffällig viele grüne Blätter. Was aussieht wie normales Herbstlaub, ist tatsächlich ein sogenannter Notabwurf. Die Bäume schmeißen ihre Blätter ab, weil sie unter extremer Hitze und Trockenheit leiden. Kraus hebt eines der Blätter auf und zeigt der Gruppe die Verfärbungen und Strukturveränderungen: „Das ist Sonnenbrand. Die UV-Strahlung und Hitze waren zu stark, es fehlt Feuchtigkeit.“ Und das mitten im eigentlich schattigen, kühlen Wald.
„Wenn im August das Herbstlaub liegt, sollte jedem klar sein, dass wir ein Problem haben“, betont der 28-jährige Förster. Die Folgen sind konkret spürbar: Manche Jungbestandspflege hat Kraus dieses Jahr bereits abgesagt, weil die Bäume schlicht zu angeschlagen sind. Auch Fällarbeiten sind heute riskanter als früher, weil der Zustand der Wälder insgesamt schlechter geworden ist.
Die aktuellen Zahlen zum Baumbestand im Offenbacher Stadtwald sind zwar schon acht Jahre alt – laut Kraus also: rund zwölf Prozent Eiche, 30 Prozent Buche, 46 Prozent Kiefer, Fichte so gut wie gar nicht mehr. Aber klar ist: Die Buche hat seitdem nochmals deutlich gelitten, denn sie kommt mit Hitze und Trockenheit am schlechtesten klar. Auch die einst großflächig gepflanzten Kiefernbestände sind anfällig.
Die Lösung? Mehr Mischwald. Künftig sollen Eichen und Hainbuchen eine größere Rolle spielen – Baumarten, die mit Trockenheit besser umgehen können. „Nichts geht schnell im Wald. Der Umbau erfordert viel Zeit. Wenn ich in Rente gehe, wird man vielleicht den Waldrand als solchen erkennen können“, sagt Kraus – mit einem Augenzwinkern, aber auch mit vollem Ernst.
Das Forstamt Langen hat ein Waldentwicklungskonzept erarbeitet, das die Stadtverordneten im vergangenen Jahr beschlossen haben. Es steckt die Rahmenbedingungen für die kommenden Jahrzehnte – vielleicht sogar Jahrhunderte – ab. Kernpunkte:
Durch Prozessschutzflächen können sogenannte Ökopunkte erlangt werden, die für andere Umweltprojekte eingesetzt werden können. Klingt gut – kostet aber auch. „Der Stadtwald macht einen hohen sechsstelligen Verlust“, so Kraus offen. Das Konzept bringe mehr Aufwand, als man aus dem Wald herausholen könne. Deshalb sei Forstwirtschaft nach wie vor unerlässlich.
Der Offenbacher Stadtwald ist täglich Naherholungsgebiet für Spaziergänger, Radfahrer, Jogger und Gassigeher. Er ist grüne Lunge und Freizeitort zugleich. Aber er braucht jetzt unsere Aufmerksamkeit – und ein klares Bekenntnis zur Zukunft. Der Klimawandel macht vor keinem Stadtwald halt, und die grünen Blätter auf dem Boden im August sind ein unübersehbares Zeichen dafür.
Kraus selbst hat sich bewusst für Offenbach entschieden: „Dass man hier mit dem Waldkonzept einen naturnahen Waldumbau zum Ziel hat, macht die Stelle für mich sehr attraktiv.“ Gut, dass jemand mit so viel Herzblut für diesen Wald da ist – er braucht jeden Verbündeten, den er kriegen kann.






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