Studio-Hotline 069–669 669 0

Grüne Blätter im August: Was im Stadtwald gerade passiert – und warum das ein Alarmsignal ist

Grüne Blätter im August im Stadtwald? Das ist kein früher Herbst, sondern ein Notsignal. Revierförster Maximilian Kraus erklärt, was Hitze und Trockenheit…

Redaktion
·
31. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 4 Tagen

Wenn der Wald mitten im Sommer Herbst macht

Ihr seid gerade durch den Stadtwald spaziert und habt euch gewundert, warum da schon so viel Laub auf dem Boden liegt – und das mitten im August? Ihr seid nicht allein. Was sich nach frühem Herbst anfühlt, ist in Wirklichkeit ein Notsignal der Natur. Der Hitzesommer macht den Bäumen massiv zu schaffen, und das ist im Offenbacher Stadtwald gerade deutlich zu sehen und zu spüren.

„Die Situation ist gerade ziemlich heftig“, sagt Revierförster Maximilian Kraus. Er ist seit Dezember vergangenen Jahres für rund 1.300 Hektar Stadtwald verantwortlich – aufgeteilt auf die Reviere Tempelsee, Wildhof Richtung Heusenstamm sowie den Lohwald. Bei einer Waldführung mit der Lokalen Agenda 21 in Tempelsee hat er jetzt Klartext geredet.

Notabwurf: Was steckt dahinter?

Der Boden ist bedeckt mit Laub – darunter auffällig viele grüne Blätter. Was aussieht wie normales Herbstlaub, ist tatsächlich ein sogenannter Notabwurf. Die Bäume schmeißen ihre Blätter ab, weil sie unter extremer Hitze und Trockenheit leiden. Kraus hebt eines der Blätter auf und zeigt der Gruppe die Verfärbungen und Strukturveränderungen: „Das ist Sonnenbrand. Die UV-Strahlung und Hitze waren zu stark, es fehlt Feuchtigkeit.“ Und das mitten im eigentlich schattigen, kühlen Wald.

„Wenn im August das Herbstlaub liegt, sollte jedem klar sein, dass wir ein Problem haben“, betont der 28-jährige Förster. Die Folgen sind konkret spürbar: Manche Jungbestandspflege hat Kraus dieses Jahr bereits abgesagt, weil die Bäume schlicht zu angeschlagen sind. Auch Fällarbeiten sind heute riskanter als früher, weil der Zustand der Wälder insgesamt schlechter geworden ist.

Buchen, Kiefern, Eichen – wer leidet am meisten?

Die aktuellen Zahlen zum Baumbestand im Offenbacher Stadtwald sind zwar schon acht Jahre alt – laut Kraus also: rund zwölf Prozent Eiche, 30 Prozent Buche, 46 Prozent Kiefer, Fichte so gut wie gar nicht mehr. Aber klar ist: Die Buche hat seitdem nochmals deutlich gelitten, denn sie kommt mit Hitze und Trockenheit am schlechtesten klar. Auch die einst großflächig gepflanzten Kiefernbestände sind anfällig.

Die Lösung? Mehr Mischwald. Künftig sollen Eichen und Hainbuchen eine größere Rolle spielen – Baumarten, die mit Trockenheit besser umgehen können. „Nichts geht schnell im Wald. Der Umbau erfordert viel Zeit. Wenn ich in Rente gehe, wird man vielleicht den Waldrand als solchen erkennen können“, sagt Kraus – mit einem Augenzwinkern, aber auch mit vollem Ernst.

Das Waldentwicklungskonzept: Plan für die Zukunft

Das Forstamt Langen hat ein Waldentwicklungskonzept erarbeitet, das die Stadtverordneten im vergangenen Jahr beschlossen haben. Es steckt die Rahmenbedingungen für die kommenden Jahrzehnte – vielleicht sogar Jahrhunderte – ab. Kernpunkte:

  • Rund 240 Hektar des Stadtwaldes sollen stillgelegt und von der forstwirtschaftlichen Nutzung ausgenommen werden – sogenannte Prozessschutzflächen.
  • Renaturierung von Bächen und das Anlegen von Tümpeln sollen das Wassermanagement verbessern.
  • Alte Entwässerungsgräben an Wegrändern sollen verlanden, damit bei Starkregen das Wasser im Boden bleibt.
  • Der Waldrand soll stufig umgestaltet werden – mit Sträuchern und verschiedenen Baumordnungen für mehr ökologischen Wert.

Durch Prozessschutzflächen können sogenannte Ökopunkte erlangt werden, die für andere Umweltprojekte eingesetzt werden können. Klingt gut – kostet aber auch. „Der Stadtwald macht einen hohen sechsstelligen Verlust“, so Kraus offen. Das Konzept bringe mehr Aufwand, als man aus dem Wald herausholen könne. Deshalb sei Forstwirtschaft nach wie vor unerlässlich.

Ein Wald für alle – aber ein Wald in Not

Der Offenbacher Stadtwald ist täglich Naherholungsgebiet für Spaziergänger, Radfahrer, Jogger und Gassigeher. Er ist grüne Lunge und Freizeitort zugleich. Aber er braucht jetzt unsere Aufmerksamkeit – und ein klares Bekenntnis zur Zukunft. Der Klimawandel macht vor keinem Stadtwald halt, und die grünen Blätter auf dem Boden im August sind ein unübersehbares Zeichen dafür.

Kraus selbst hat sich bewusst für Offenbach entschieden: „Dass man hier mit dem Waldkonzept einen naturnahen Waldumbau zum Ziel hat, macht die Stelle für mich sehr attraktiv.“ Gut, dass jemand mit so viel Herzblut für diesen Wald da ist – er braucht jeden Verbündeten, den er kriegen kann.

Quellen

Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.
Einsatz von KI
Dieser Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage redaktionell ausgewählter Quellen erstellt, mehrstufig geprüft und vor der Veröffentlichung durch unsere Redaktion freigegeben. KI-generierte Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.