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Frankfurter fährt mit Anti-AfD-Lied durch die Stadt – Lautsprecher am Rad

Ein 42-jähriger Frankfurter fährt mit Lautsprecher und Anti-AfD-Lied durch die Stadt. Was steckt hinter dem Projekt „WeichteileTV

Redaktion
·
30. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Woche

Zwei Wörter, eine klare Botschaft

Man hört ihn schon, bevor man ihn sieht: Ein 42-jähriger Frankfurter fährt durch die Straßen der Stadt – Lautsprecher am Rad, ein Lied in Dauerschleife. Der Text? Simpel und unmissverständlich: „Scheiß AfD“. Wer durch Frankfurt-Bornheim radelt, kennt vielleicht schon dieses Geräusch. Und vielleicht kennt man auch schon den Mann dahinter – „Weichi“, wie er sich selbst nennt.

Das Adenauer SRP+ 2.0 – ein Fahrrad als Statement

Weichis Gefährt ist kein gewöhnliches Rad. Das „Adenauer SRP+ 2.0″ – ein silbernes Elektrorad im Stil zwischen futuristisch und retro – ist sein persönliches Protestmobil. Leicht gebogene Schutzbleche aus Sperrholz, ein hölzerner Gepäckträger, ein QR-Code, der auf seinen Instagram-Kanal „WeichteileTV“ verlinkt, und am Lenker ein gehäkelter stilisierter Kackhaufen als Symbol für seine Meinung zur AfD-Politik. Vorne am Lenker sitzt außerdem eine 360-Grad-Kamera, die die Reaktionen der Passanten einfängt.

Der Name des Rads ist bewusst gewählt: Er ist angelehnt an den Bus des Zentrums für politische Schönheit, dem „Adenauer SRP+“. Dieser motorisierte Protestbus störte unter anderem das ARD-Sommerinterview 2025 mit Alice Weidel in Berlin – mit genau demselben Lied, das heute aus Weichis kleiner Lautsprecherbox schallt. Der Name spielt dabei auf die erste in Deutschland verbotene Partei an: die 1949 gegründete Sozialistische Reichspartei (SRP), die sich in der Tradition der NSDAP sah und 1952 unter Konrad Adenauer verboten wurde.

Die Idee – geboren aus Protest

Die Idee zum Radprojekt kam Weichi im November 2025 während eines Protests in Gießen gegen die Neugründung der Jugendorganisation der AfD. Seitdem fährt er regelmäßig durch Frankfurt und beschallt die Stadt. Seine Videos postet er auf Instagram, wo ihm inzwischen 30.000 Menschen folgen – aus anfangs 400 Onlinefreunden.

„Die Aktion soll zum Nachmachen und Mitmachen anregen“, sagt der gebürtige Frankfurter. Er ruft regelmäßig zu gemeinsamen Radtouren auf. Gleichzeitig ist ihm bewusst: Was in Frankfurt problemlos möglich ist, könnte Nachahmer an anderen Orten der Republik in echte Gefahr bringen.

Wer steckt hinter „Weichi“?

Der 42-Jährige gibt wenig von sich preis – aus gutem Grund. „Doxing“, also das ungewollte Veröffentlichen von Klarnamen, Adresse und Arbeitsplatz, ist eine reale Bedrohung für politisch aktive Menschen. Aufgewachsen ist er im Frankfurter Westend, in einem sehr diversen Freundeskreis. Politisiert hat ihn ursprünglich der 11. September 2001 – sein Umfeld umfasste damals viele Menschen aus Afghanistan, die erleben mussten, wie sie pauschal mit den Taliban gleichgesetzt wurden.

Nach Jahren politischer Abstinenz brachten ihn die Bilder des 7. Oktober 2023 dazu, sich wieder einzubringen. Er erlebte ein Erstarken antisemitischer Narrative, auch im persönlichen Umfeld, und fühlte die Verpflichtung, zu widersprechen. Den Instagram-Kanal gründete er, um „Druck abzulassen und gleichzeitig aufzuklären“.

Reaktionen auf der Berger Straße

Die Reaktionen der Frankfurter fallen unterschiedlich aus. Vor einer Ampel an der Kreuzung Höhenstraße lachen Studierende und winken rüber. Kurz vor dem Merianplatz amüsieren sich zwei ältere Männer vor einem Kiosk köstlich über das Lied. Eine Frau mit grauem Kurzhaarschnitt sagt auf Nachfrage: „Ich habe Angst vor der AfD, weil so etwas hatten wir schon mal.“

Anfeindungen gibt es laut Weichi vereinzelt – vor allem von älteren Männern. Zu einem körperlichen Angriff sei es aber noch nie gekommen. „Grundsätzlich rede ich erst einmal mit jedem“, sagt er. Neben AfD-Wahlständen spielt er das Lied ebenfalls ab – aber erst, nachdem er die Polizei über sein Vorhaben informiert hat.

Mehr als nur ein Lied

Weichi sieht seine Aktion als Aufruf zur Zivilcourage. Er wolle zeigen, dass man auch mit einfachen Mitteln laut sein kann. Langfristig plant er, Instagram hinter sich zu lassen und auf Plattformen wie Mastodon oder Poli-Social umzuziehen – Tech-Bros wolle er mit seiner Nutzung nicht unterstützen. Bis dahin dreht er weiter seine Runden durch Frankfurt, den Lautsprecher im Gepäck. Der Sound der Weltstadt – diesmal mit einer klaren politischen Botschaft.

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