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Flitterwochen? Fehlanzeige! Rodgaus Bürgermeister zapft lieber die Kerb an

Frisch verheiratet und trotzdem an der Kerb dabei: Bürgermeister Max Breitenbach zapfte in Weiskirchen das erste Fass an – Flitterwochen hin oder her!

Redaktion
·
3. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Kerb statt Karibik – Max Breitenbach setzt Prioritäten

Gerade frisch verheiratet und trotzdem voll dabei: Rodgaus Bürgermeister Max Breitenbach hat seine Flitterwochen kurzerhand gegen das Kerb-Fass eingetauscht. In Weiskirchen, einem nördlichen Stadtteil von Rodgau, feierte der frischvermählte Verwaltungschef gemeinsam mit seinen Bürgerinnen und Bürgern die traditionelle Kirchweih – und das mit vollem Einsatz. Kerbvater Helmut Trageser brachte es in seinem Reim auf den Punkt: „Ich grüß‘ de Bojemaster un seu Fraa, die flittern hier, des is doch klar. Denn es ist eine alte Weise: ‚Wann Kerb is‘, gibt’s kei Hochzeitsreise.'“

Breitenbach nahm den freundlichen Seitenhieb sportlich – und griff kurz darauf zum Holzhammer. Unaufgeregt und ohne kalte Dusche für die Umstehenden zapfte er das erste Fässchen Bier an. Assistiert wurde er dabei von Glaabsbräu-Geschäftsführer Julian Menner. Der Gerstensaft floss, die Schürze blieb trocken – ein gelungener Auftakt! Außerdem sagte der Bürgermeister bereits vor dem offiziellen Start ehrenamtlichen Dienst für die Abschlusstage der Kerb zu. Volle Hingabe eben.

Fünf Tage Feiern in der Bahnhofstraße

Die Weiskircher Kerb 2026 ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Heimatverein, Feuerwehr, Musikverein und die Rodgau Rangers packen gemeinsam an – und das schon seit Jahrzehnten. Die Rangers sorgen seit 35 Jahren für das leibliche Wohl der Kerbgäste und sind damit ein fester Bestandteil des Festes. Wo es nach gebratenem Hahn duftet, sind Thorsten Moser, Matthias Moser, Markus Ott, Werner Müller, Andreas Jäger, Klaus Müller und Peter Berweiler nicht weit.

Fünf Tage lang verwandelt sich die Bahnhofstraße in das Zentrum der Festivitäten – mit Bier, Essen und natürlich dem Kerbborsch, dem Maskottchen der Feierlichkeiten. Felix Massoth hatte den Strohmann gestaltet und dafür einen ausgetragenen Anzug seines Schwagers Patrik Steinhäuser genutzt. Die Puppe drehte am Freitagabend noch ein paar Runden auf dem Kinderkarussell, bevor die Feuerwehrjugend den stummen Gesellen stilgerecht zum Festgelände am alten Spritzenhaus trug. Dort thront er nun mit Zylinder und Stiefeln gekleidet ganz oben im Fenster der alten Feuerwache.

553 Jahre Weiskircher Kerb-Tradition

Was viele vielleicht nicht wissen: Die Kirchweihfeiern in Weiskirchen blicken auf eine beeindruckende Geschichte zurück – bis in die Renaissance! Dank des Heimatvereins ist die früheste urkundlich belegte Erwähnung bekannt: der 18. Februar 1473. Damals legten der Mainzer Bischof Diether von Isenburg und der Kurfürst Graf von Hanau-Lichtenberg Streitigkeiten um ihren Güterbesitz bei. In dem Dokument tauchen die Orte Weiskirchen, Hainhausen und Rembrücken auf – und auch der Begriff „Kerbebannwein“ fällt bereits. Im Jahr 2026 feiern die Weiskircher damit zum stolzen 553. Mal die Weihe ihres Gotteshauses.

Ob Kerbe, Kirbe, Kerw oder Kirchweih – Deutschland kennt viele Namen für dieses jahrhundertealte Brauchtum. In Weiskirchen gehört dazu auch das gemeinsame Einrufen des Kerbvaters beim Eröffnungsruf: „Wem ist die Kerb? – Unser!“ Das Volk antwortete lautstark, und die Stimmung war von der ersten Minute an auf dem Höhepunkt.

Helmut Trageser übernahm in diesem Jahr übrigens in Vertretung des erkrankten Kerboberhaupts Jonas Friedrich die Rolle des Kerbvaters – und meisterte sie mit Zylinder und Dichtkunst bravourös. Zum Abschluss der fünftägigen Feierlichkeiten am Dienstagabend wird die Strohpuppe dann – wie seit Jahren gute Sitte – ein Raub der Flammen. Ein würdiges Ende für eine der ältesten Traditionen der Region.

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