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Fischwilderei am Main: Schwarzangler räuchern Fang direkt am Ufer und fälschen Angelscheine

Schwarzangler räuchern Fische direkt am Mainufer und fälschen Angelscheine – Fischwilderei in Frankfurt nimmt zu und bedroht die Gewässerökologie.

Redaktion
·
4. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Dreiste Fischwilderei in Frankfurt nimmt zu

Am Schwanheimer Mainufer sitzen zwei Männer auf Klappstühlen, vier oder fünf Angelruten vor sich – soweit klingt das nach einem ganz normalen Angeltag. Doch ein genauerer Blick verrät mehr: Neben den Anglern steht eine ausziehbare Räuchertonne, die beständig raucht. In Plastikkästen liegen fertig geräucherte Fische – der Fang von 24 Stunden oder mehr. Das ist Fischwilderei, und sie wird in Frankfurt immer dreister.

Das ist kein Einzelfall. Fälle schwerer Fischwilderei häufen sich, und die Art der Verstöße ändert sich. Erwischte man früher mal Angler ohne gültigen Sportfischereischein, stoßen Kontrolleure inzwischen immer öfter auf gefälschte Papiere. „Wir stellen vermehrt fest, dass ein gewisser Teil dieser Sportfischereischeine gefälscht ist“, sagt Daniel Göz, Vorsitzender der Frankfurter Fischerzunft und einer von vier Fischereiaufsehern des Vereins. Die vorgewiesenen Scheine sind zum Teil Originalvordrucke, die von dubiosen Angelzubehör-Händlern verkauft und dann verfälscht werden – es braucht ein geschultes Auge, um die Urkundenfälschung zu erkennen.

Was braucht man eigentlich zum legalen Angeln am Main?

Für das Angeln am Main in Frankfurt benötigt man einen amtlichen Fischereischein sowie eine Erlaubniskarte für den jeweiligen Mainabschnitt. Letztere gibt es als Tages- oder Jahreskarte über die Fischerzünfte oder Online-Plattformen wie „hejfish“. Für die Nidda gibt es tages- oder streckenbezogene Gastkarten über die ansässigen Vereine. Hinzu kommt die Fischereiabgabe – eine gesetzlich vorgeschriebene Abgabe, die in Hessen jährlich 7,50 Euro kostet. Das klingt nach wenig Aufwand. Wer sich darum drückt, riskiert jedoch Bußgelder zwischen 600 und 1.200 Euro – und die Beschlagnahme von teurem Angelgerät.

Ökologische Folgen: Mehr als nur ein Regelverstoß

Die Fischwilderei ist nicht nur ein rechtliches Problem – sie gefährdet die Gewässerökologie. Die Frankfurter Fischer- und Schifferzunft, im Jahr 945 gegründet und damit die älteste noch existierende Körperschaft mit Fischereirechten am Main, hat die Hoheit über 120 Hektar Mainfläche zwischen den Staustufen Offenbach und Griesheim. Das sind 5 Millionen Kubikmeter Wasser, in denen im Sommer eine hohe Millionenzahl an Fischen lebt. Der Verein hat sogar den Besatz mit Fischen aus Zuchtbetrieben aufgegeben – die natürliche Population reicht aus.

„Fischwilderei kann sich auf die Ökologie auswirken, wenn zu gewissen Jahreszeiten massenhaft Fische entnommen werden, insbesondere im Fall von Raubfischen wie Zandern und Barschen im Herbst“, erklärt Göz. Raubfische sind als Regulativ wichtig – vor allem wegen der Grundeln, einer invasiven Art aus dem Schwarzen Meer, die über den Main-Donau-Kanal hierher gelangte. Werden zu viele Raubfische weggefangen, nehmen die Grundeln überhand und verdrängen einheimische Arten. Dabei leben heute im Frankfurter Main bereits rund 34 Fischarten – Mitte der 1970er Jahre waren es wegen der Wasserverschmutzung nur fünf.

Auch Gewässerökologe Gottfried Lehr, Spezialist für die Nidda, schlägt Alarm. Er hat selbst beobachtet, dass Fischwilderer in Laich- und Schongebieten angeln. Sein Kommentar: „Die Leute kennen Maßhalten nur noch vom Oktoberfest.“

Besonders schlimm: Die untere Nidda

Besonders viele Schwarzangler gibt es an der unteren Nidda, zwischen der A 5 bei Rödelheim/Sossenheim und der Mündung bei Höchst. Dort werde, so hört man aus den Vereinen, extrem viel illegal geangelt. „Man sieht es tagtäglich, und es werden immer mehr“, sagt ein Vereinsangler, dessen Name zu seinem Schutz nicht genannt wird. Die Fischwilderer nehmen alles mit, halten sich nicht an Fangmengen oder Schonzeiten und hinterlassen oft Müll. Manche setzen sogar lebende Köderfische ein – das verstößt gegen das deutsche Tierschutzgesetz. Auch Netze würden immer wieder eingesetzt.

Werden Schwarzangler von Gewässerwarten kontrolliert, reagieren sie laut Berichten aus den Vereinen häufig mit Gewalt. „Vielen aus den Vereinen ist das Risiko inzwischen zu hoch“, so der Vereinsangler. Einige Vereine reagieren dennoch: Der AV Nied hat etwa den Preis für die Tageskarte am Kellerseck erhöht und die Fangmenge selbst an Weißfischen begrenzt.

Was tun gegen Schwarzangler in Frankfurt?

Die Lage ist komplex. Laut Berichten aus den Vereinen werden Verfahren gegen Erwischte häufig eingestellt – kein öffentliches Interesse an Strafverfolgung. Dazu kommt: Stadtpolizisten des Ordnungsamts seien nicht ausreichend geschult, um alle Verstöße zu erkennen. Wer einen regulären Erlaubnisschein hat, aber in einem gesperrten Bereich angelt oder Schutzzeiten missachtet, macht sich trotzdem strafbar – das bleibt oft unentdeckt.

Die Frankfurter Fischer- und Schifferzunft betont hingegen, dass bei einer überwältigenden Mehrheit der erstatteten Anzeigen Verurteilungen folgen – in der Regel mit Bußgeldern zwischen 600 und 1.200 Euro, oft verbunden mit der Beschlagnahme von teurem Angelgerät. Ob das als Abschreckung reicht? Solange Angelausrüstung billig im Discounter zu haben ist und gefälschte Scheine kursieren, bleibt das ein offenes Problem – direkt an Frankfurts Flussufern.

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