
Das Museum Angewandte Kunst Frankfurt zeigt mit „Adler, Orden, Wahlurne“ eine einzigartige Ausstellung über das Design der Demokratie – mit Wahlurnen aus…
Wahlen sind das Herzstück der Demokratie – und trotzdem wandert die Stimme manchmal buchstäblich in eine Mülltonne. Keine Metapher, sondern Realität! In vielen deutschen Kommunen landen Stimmzettel in umfunktionierten Abfallbehältern. Genau das nimmt eine neue Ausstellung im Museum Angewandte Kunst Frankfurt jetzt unter die Lupe – und fragt: Kann das wirklich alles sein?
Die Schau trägt den Titel „Adler, Orden, Wahlurne. Redesigning Democratic Representation“ und ist ab sofort im Museum Angewandte Kunst am Schaumainkai 17 zu sehen. Museumsdirektor Matthias Wagner K brachte es bei der Vorstellung auf den Punkt: „So eine Ausstellung gab es noch nicht.“ Und das stimmt – denn hier geht es um nichts Geringeres als die Frage, wie wir Demokratie sichtbar machen wollen.
Ein echter Hingucker in der Ausstellung: ein ganzer Reigen an Wahlurnen aus der Region – von Schwarz wie Restmüll bis Blau wie Altpapier. Leihgaben von Kommunen aus der Umgebung zeigen, wie nüchtern es bei uns an der Wahlurne zugeht. Eine Ausnahme sticht dabei heraus: Eine Urne ist bunt mit Bembel-Dekor bemalt und trägt den Spruch „Bevor isch misch uffresch, geh isch lieber wählen“. Offenbar gibt es nämlich keine Pflicht zum Mülleimergrau – und das ist doch schon mal ein Anfang!
Kurator Friedrich von Borries von der Hochschule für bildende Künste Hamburg forscht seit drei Jahren mit Studierenden an diesem Thema. Für die Frankfurter Ausstellung kooperiert er mit der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung. Junge Designer:innen aus Deutschland, Polen und Israel haben außerdem Entwürfe beigesteuert – zum Beispiel für alternative Bundesverdienstkreuze. Manches ist ein bisschen verrückt, vieles sehr originell.
Besonders spektakulär: Rozbeh Asmani, der eine Professur für Neue Medien an der Uni Greifswald innehat, formte den deutschen Bundesadler aus 2,5 Kilo Butter – so wie er auf Verpackungen abgedruckt ist. Technisch extrem aufwendig! Kurz vor der Eröffnung versagte sogar die Kühltechnik des Instituts für Thermodynamik in Braunschweig. Das Museumsrestaurant sprang kurzfristig mit einer Tiefkühltruhe ein. Zur Eröffnung sollte die neue Technik aber laufen.
Ebenfalls ein starkes Bild: Am Eingang begrüßen drei große Politikerporträts die Besucher:innen – generiert aus allen 630 im Bundestag sitzenden Abgeordneten via KI. Erschreckend nichtssagend und irgendwie wie Wahlwerbung. Alle drei sind weiß, zwei Männer, eine Frau – entspricht ziemlich genau den realen Verhältnissen.
Ganz anders dagegen die drei individuell porträtierten Bundestagsabgeordneten: Hanna Steinmüller (Grüne, Berlin), Sepp Müller (CDU, Dessau-Rosslau) und Armand Zorn (SPD), der den Wahlkreis Frankfurt I in Berlin vertritt. Die Ausstellung hat sie rund ein halbes Jahr in ihrem Politikeralltag begleitet. Wie mühevoll Demokratie wirklich ist – das vergisst man nämlich viel zu schnell.
Die Ausstellung „Adler, Orden, Wahlurne“ im Museum Angewandte Kunst greift das Motto der World Design Capital (WDC) in der Region – „Design für Demokratie“ – ganz wörtlich auf. Und das Ergebnis ist sehenswert! Wer wissen will, wie Demokratie aussehen könnte, wenn man sie wirklich ernst nimmt, sollte sich das nicht entgehen lassen. Frankfurt zeigt mal wieder: Der Sound der Weltstadt kommt nicht nur aus den Lautsprechern – sondern auch aus den Ausstellungsräumen direkt am Main.
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Das MAK Frankfurt zeigt mit „On Display



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