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Aus Liebe zur Schiene: Frankfurt erinnert sich an Klaus Oesterling

Klaus Oesterling prägte Frankfurts Verkehrspolitik wie kaum ein anderer. Weggefährten erinnern sich – und sein Erbe wirkt in der Stadt weiter.

Redaktion
·
9. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 4 Wochen

Ein Visionär für Frankfurts Verkehrspolitik

Er hatte keinen Führerschein, kein Auto – aber er kannte Bahnfahrpläne und Linienführungen auswendig wie kaum ein anderer. Klaus Oesterling war ein Vollblutkommunalpolitiker, der Frankfurt und seine Verkehrspolitik über Jahrzehnte geprägt hat. In einem früheren Beitrag haben wir euch bereits über seinen Tod berichtet – jetzt zeichnen Weggefährtinnen und Weggefährten ein noch klareres Bild davon, was Frankfurt mit ihm verloren hat.

Mehr als drei Jahrzehnte für Frankfurt

Seit 1989 gehörte Oesterling dem Stadtparlament an, von 2006 bis 2016 führte er die SPD-Fraktion im Römer. Als Stadtrat von 2016 bis 2021 hinterließ er sichtbare Spuren im Stadtbild: rote Radwege, die erste Mainkai-Sperrung für Autos, die Vorantreibung des Frankfurter Radentscheids mit 40.000 Unterzeichnenden. Doch sein Blick reichte weit über seine Amtszeit hinaus. Projekte wie die Regionaltangente West, die nordmainische S-Bahn, die Verlängerung der U-Bahnlinien ins Europaviertel, zum Frankfurter Berg, nach Bad Homburg und Ginnheim – all das trägt seine Handschrift und wird Frankfurt noch lange an ihn erinnern.

Stimmen der Trauer aus dem Römer

Am Wochenende nach seinem Tod meldeten sich enge Weggefährtinnen und Weggefährten zu Wort. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) zeigte sich tief betroffen: „Mich hat die Nachricht vom Tod von Klaus Oesterling auch persönlich tief getroffen.“ Frankfurt verliere ein demokratisches Urgestein, einen der brillantesten Köpfe – und Josef selbst einen wichtigen Ratgeber und Freund. Er erinnerte sich daran, wie er als junger Stadtverordneter stundenlang mit Oesterling telefoniert oder in dessen Dienstzimmer zugehört habe. „Ich habe dabei unglaublich viel über Politik und speziell die Frankfurter Stadtpolitik gelernt“, so Josef.

Auch Stadtverordnetenvorsteherin Claudia Korenke würdigte Oesterlings Lebenswerk: „Die Frankfurter Verkehrspolitik wird immer mit dem Namen von Klaus Oesterling verbunden bleiben.“ Er habe seine Heimatstadt geliebt – geboren am 22. April 1952 in Frankfurt – und sich zeitlebens für den sozialen Zusammenhalt eingesetzt. 2022 wurde er zum Stadtältesten ernannt.

Vorkämpfer der ökologischen Verkehrswende

Trotz seiner klaren Haltung pro Schiene und Fahrrad sah Oesterling das Auto nie als Feindbild. Besonders in stadtfernen Gegenden bleibe es auf absehbare Zeit für viele unverzichtbar, betonte er stets. Dennoch war er, wie OB Josef unterstrich, ein Vorkämpfer für eine ökologische Verkehrswende – und das mit einer Geradlinigkeit, die nicht immer bequem war. Die Mainkai-Sperrung setzte er gegen massive Widerstände durch, die roten Radstreifen waren anfangs selbst bei ihm nicht unumstritten. Doch er erkannte die Zeichen der Zeit und handelte konsequent.

Josef beschrieb Oesterling als jemanden, der klare Worte nicht scheute: „Er konnte einfach sagen, wie es ist, und hat es verachtet, wenn versucht wurde, Wahrheit und Fakten zu verdrehen.“ Ein Frankfurt, das zusammensteht und niemanden ausgrenzt – das war sein Antrieb. „Er wird sehr fehlen, er fehlt mir jetzt schon“, so Josef.

Ein Vermächtnis, das weiterwirkt

Klaus Oesterling ist nach langer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben. Was er angestoßen hat, prägt den Sound dieser Stadt – nicht als Musik, sondern als Rauschen der Straßenbahn, als Quietschen der S-Bahn, als Klicken der Fahrradpedale auf frisch markierten Radwegen. Sein Erbe lebt in jedem Großprojekt weiter, das er für Frankfurt gedacht und geplant hat. Der Sound der Weltstadt hat auch seinen Namen.

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