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Ältester Paternoster Frankfurts: Seit 1922 ohne Pause im Einsatz!

Frankfurts ältester Paternoster im Peter-Behrens-Bau fährt seit 1922 ohne Pause. Wir verraten, was das Technik-Wunder so besonders macht und wo ihr in…

Redaktion
·
7. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Ein Oldtimer, der niemals schläft

Klackern, rumpeln, unaufhörlich Runden drehen – seit über einem Jahrhundert. Der Sound der Weltstadt hat viele Facetten, und eine davon kommt aus dem Westflügel des denkmalgeschützten Peter-Behrens-Bau im Industriepark Frankfurt. Denn dort fährt der älteste Paternoster der Stadt seit dem Jahr 1922 – ohne eine einzige Pause. Erst zum Dienstschluss wird er abends abgeschaltet. Und dann fängt er morgens einfach wieder an.

„Das ist wirklich der älteste Aufzug, den wir hier im gesamten Werk haben“, sagt Aufzugsexperte Jürgen Stillger stolz. Stillger ist beim Industrieparkbetreiber Infraserv für die Wartung zuständig – und für ihn ist der historische Dauerläufer weit mehr als ein bloßes Transportmittel. Er ist lebendige Industriegeschichte. Und ein technisches Meisterwerk.

Fast keine Elektronik – und trotzdem läuft er

Was den Paternoster so besonders macht? Seine trügerisch einfache Technik. Riesige Zahnräder, schwere Ketten und teilweise noch originale Holzführungsschienen verrichten seit Jahrzehnten ihren Dienst – ohne viel Elektronik. „Eigentlich gibt es kaum etwas, was kaputtgehen kann“, erklärt Stillger. Falls doch mal ein Holzelement Schaden nimmt, fertigen Schreiner einfach ein passendes Ersatzteil nach.

Gewartet wird der Aufzug trotzdem regelmäßig: sechsmal im Jahr gründlich, einmal jährlich werden Zahnräder und Führungen aufwendig geschmiert. Dazu kommen eine jährliche Hauptprüfung mit Belastungstest sowie eine Zwischenprüfung durch den TÜV. Die Sicherheitsbilanz? Beeindruckend. „Wir haben hier praktisch keine Stolperunfälle“, berichtet Stillger. Der kurioseste Zwischenfall: Ein Arbeiter wollte mit einer rund zwei Meter langen Leiter einsteigen – die Leiter wurde komplett zerstört, dem Mitarbeiter passierte glücklicherweise nichts.

Dass solche Anlagen heute noch existieren, ist alles andere als selbstverständlich. Seit 1985 gibt es keine neue Norm mehr für Paternoster. Historische Anlagen werden nach den damaligen Vorschriften und unter Denkmalschutzauflagen restauriert. Infraserv-Sprecher Michael Müller betont den besonderen Einsatz, den es braucht, um dieses Stück Technikgeschichte am Laufen zu halten – und schwärmt davon, wie der Aufzug regelmäßig Besuchergruppen begeistert, darunter sogar italienische Architekturstudenten, für die es die allererste Paternosterfahrt ihres Lebens war.

Und noch etwas überrascht: Auf der Kurzstrecke schlägt der Oldie seinen modernen Nachbarn regelmäßig. Während der klassische Aufzug erst aus einem oberen Stockwerk heranfahren muss, ist der Paternoster längst unterwegs. „Wenn man nur ein oder zwei Etagen fahren möchte, ist er oft deutlich schneller“, so Stillger.

Acht Paternoster an der Goethe-Uni – und ein Fan-Erlebnis

Wer denkt, Paternoster sind nur was für Technik-Nerds, der irrt. Im IG-Farben-Haus auf dem Campus Westend der Goethe-Universität fahren Jurastudentinnen wie Vanessa, Julie und Beriwan täglich mit dem Paternoster aus dem Baujahr 1932 – und sind längst echte Fans. „Ich finde es großartig, dass es so etwas noch gibt“, schwärmt Beriwan. Julie gesteht lachend, dass sie den Namen des Geräts anfangs nicht mal kannte. Eine Kommilitonin brachte sie auf die Idee – und seitdem ist sie dabei.

Insgesamt acht Paternoster existieren noch im Bibliotheksbereich des IG-Farbenhauses, die Hälfte davon ist noch in Betrieb, erklärt Uni-Pressesprecher Dirk Frank. Gewartet werden sie monatlich. Den früheren „Paternoster-Führerschein“ für Studierende gibt es übrigens nicht mehr: Er war laut Frank nur übergangsweise nach einem Unfall durch unsachgemäße Nutzung nötig. Seit 2019 können die Paternoster wieder frei benutzt werden.

Mit dem Paternoster aufs Dach – Panorama inklusive

Ein besonderes Highlight wartet im Flemings Selection Hotel am Eschenheimer Tor, dem ehemaligen Bayer Haus. Hier können Gäste per Paternoster von der Lobby über sieben Stockwerke stilvoll aufs Dach steigen – mit spektakulärem Stadtpanorama. Stellvertretende Generaldirektorin Elisabeth Schoppmann erklärt: „Wir aktivieren den Paternoster täglich zu den Frühstückszeiten für die Hotelgäste und abends zu den Öffnungszeiten des Rooftop-Restaurants Occhio d’Oro.“ Das Gebäude entstand 1952/53 nach Plänen der Architekten Karl und Stefan Blattner – eines der frühen Hochhäuser der Frankfurter Nachkriegsmoderne. Seit dem Umbau zum Hotel im Jahr 2008 blieb der Paternoster als denkmalgeschütztes Ausstattungsmerkmal erhalten.

Frankfurter Aroon Nagersheth bringt es auf den Punkt: „Diese kettengetriebenen Lifte waren einst Symbole der Moderne – heute sind sie eher urbane Legenden. Bloß, dass dieser hier real ist.“ Jedes Ein- und Aussteigen sei „ein kleiner Akt des Mutes“ – belohnt mit einem Drink auf der Terrasse und dem Blick auf den Sonnenuntergang. Prost auf uns Zeitreisenden!

In Frankfurt drehen übrigens noch etwa ein Dutzend Paternoster täglich ihre Runden. Ein Stück gelebte Geschichte – mitten im Herz der Skyline-Stadt. Jetzt reinhören, was Frankfurt sonst noch zu erzählen hat!

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