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790 Jahre Töngesgasse: Frankfurts älteste Einkaufsstraße feiert – doch die Zukunft ist ungewiss

Die Töngesgasse in Frankfurt feiert 790. Geburtstag – doch viele Inhaber fürchten das Ende. Was steckt hinter der ältesten Einkaufsstraße der Stadt?

Redaktion
·
27. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Woche

Eine Straße mit Geschichte – und großer Leidenschaft

Pinke und schwarze Luftballons, besondere Aktionen und historische Führungen: Die Töngesgasse in Frankfurt hat am 27. August 2026 ihren 790. Geburtstag gefeiert! Eine der ältesten Einkaufsstraßen Frankfurts und ganz Deutschlands – das ist schon was. Wer an diesem Donnerstag durch die schmale Gasse zwischen Liebfrauenberg und Fahrgasse geschlendert ist, hat echtes Frankfurt-Feeling pur erlebt. Der Sound der Weltstadt steckt eben nicht nur in großen Boulevards – sondern genau hier, in diesen besonderen, inhabergeführten Läden.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Töngesgasse im Jahr 1236. Damals gründeten die Antoniter an dieser Stelle einen Wirtschaftshof, später entstand das Antoniterkloster – und aus „Antonius“ wurde im Frankfurter Volksmund schlicht „Tönges“. Ein Name, der bis heute hält.

Knopftanten, Lederwaren und Nagel-Wettbewerbe

Das Jubiläumsfest bot für jeden etwas: Bei W. Wächtershäuser, dem beliebten Kurzwarengeschäft, das seit 1822 zur Frankfurter Innenstadt gehört, gab es Magnet-Buttons mit Jubiläumsmotiven. Beim Herrenausstatter Echtmass konnten Besucher Taschentücher mit persönlichem Monogramm ergattern, und bei Dotzert ließen sich die guten Küchenmesser endlich wieder richtig scharf schleifen lassen. Bei „Samen Andreas“ – seit 158 Jahren ein Familienbetrieb und seit 70 Jahren in der Töngesgasse – konnte man einen Nagel in einen Holzstamm hauen und dabei ein Glas Apfelwein oder Feldsalat-Pflanzen gewinnen. Typisch Frankfurt eben!

Und die Kundschaft? Die liebt es. Eine Besucherin, die auf eine der historischen Führungen wartete, brachte es auf den Punkt: „Es gibt so viele tolle Läden – das ist so viel schöner als die Zeil, weil es besondere und inhabergeführte Läden sind.“ Ein langjähriger Stammgast ergänzte: „Ich finde den Spitznamen ‚kleine Zeil‘ total unpassend. Die Zeil wird immer unattraktiver.“ Zweimal die Woche komme er mit seiner Frau her, nach dem Besuch in der Kleinmarkthalle.

Generationen, die alles geben – aber wer kommt nach?

Hinter der festlichen Kulisse steckt aber auch ein nachdenklicher Unterton. Sibylle Zolles, Chefin von W. Wächtershäuser und im Vorstand der Interessengemeinschaft Töngesgasse, sagt offen: „Die meisten von uns sind in unseren 60ern. Wir wissen nicht, ob wir in zehn Jahren, also zum 800. Jubiläum, auch noch so fit sein werden, um ein Fest so zu organisieren.“ Seit 1998 leitet sie den Laden, begonnen hat sie ihre Ausbildung dort bereits 1987. Ihre Kundschaft kommt aus einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern – 130 bis 150 Besucher täglich, vom Sechsjährigen bis zur 88-jährigen Stammkundin.

Auch bei „Leder Gabler“ – seit 1877 in der Töngesgasse – stellt sich die Frage nach der Zukunft. Wolfgang Gabler (70), Geschäftsführer in der vierten Generation, berichtet, dass sich das Geschäft durch den Onlinehandel stark verändert habe: „Die Leute lassen sich hier beraten und checken parallel auf dem Smartphone, ob sie die Tasche nicht doch noch zwei Prozent günstiger bekommen.“ Ob seine Enkelin Heidi eines Tages das Geschäft führen wird? „Das kann ich nicht beantworten. Das kommt auch auf die Politik an, wie es mit dem Einzelhandel weitergeht.“

Am deutlichsten spricht Nils Andreas, der „Samen Andreas“ in der fünften Generation betreibt: Seine drei erwachsenen Kinder werden den Laden nicht übernehmen – es lohne sich schlicht nicht. „Das Kaufverhalten hat sich durch den Onlinehandel komplett verändert. Zudem haben sich die Kosten verdoppelt, aber nicht unsere Umsätze. Uns wird es in Zukunft nicht mehr geben.“ Eine ehrliche Ansage, die wehtut – und die zeigt, wie ernst die Lage für den inhabergeführten Einzelhandel wirklich ist.

Frankfurt, schau hin – und geh einkaufen!

Die Töngesgasse ist mehr als eine Einkaufsstraße. Sie ist ein lebendiges Stück Stadtgeschichte, das täglich neu geschrieben wird – von Menschen, die mit Herzblut dabei sind. 790 Jahre Geschichte verdienen Respekt, Aufmerksamkeit und vor allem: eure Unterstützung! Also, Frankfurt: Rein in die Töngesgasse, die Stammhändler besuchen und zeigen, dass inhabergeführte Läden eine Zukunft haben. Jetzt reinhören, was die Stadt bewegt – und rausgehen, was die Straße braucht!

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