
Großbrand in Kriftel im Main-Taunus-Kreis: 170 Einsatzkräfte kämpften 26 Stunden gegen die Flammen – der Schaden geht in den Millionenbereich.
Während wir zuletzt über die frühe Weinlese im Main-Taunus und die Sorgen der Winzer berichtet haben, trifft die Region jetzt eine ganz andere Hiobsbotschaft: Ein verheerender Großbrand in Kriftel hat die gesamte Gegend erschüttert – und hinterlässt Schäden in Millionenhöhe.
26 Stunden lang standen die Einsatzkräfte im Dauereinsatz. Rachid Maach, Kriftels Gemeindebrandinspektor, bringt es auf den Punkt: „Ich bin seit 1995 in der Feuerwehr. Ich kann mich an einen vergleichbaren Brand bei uns nicht erinnern.“ Das sagt alles.
Am Dienstag, dem 28. Juli, löste gegen 8.47 Uhr eine Brandmeldeanlage im Lager des Möbel- und Einrichtungshauses Jysk in der Gutenbergstraße in Kriftel aus. Schon beim Eintreffen der ersten Kräfte war klar: Das wird kein gewöhnlicher Einsatz. Massiver Rauch drang aus dem Gebäude – und die Lage eskalierte schnell.
Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis rückten an, dazu die Berufsfeuerwehr Frankfurt, die Werksfeuerwehr der Firma Infraserv Höchst, das Deutsche Rote Kreuz, die Polizei und das Ordnungsamt. Am Ende waren insgesamt 170 Personen im Einsatz. Maach beschreibt es als „äußerst kräftezehrenden Einsatz unter schwierigen Bedingungen“: Die massive Rauchentwicklung, eine hohe Brandlast und ein schwer zugänglicher Brandherd machten den Feuerwehrleuten das Leben schwer. Teile der Dachkonstruktion mussten geöffnet, Fassadenelemente mit schwerem Gerät entfernt werden – um an Glutnester im Dach und in der Fassade heranzukommen.
Nach fast 20 Stunden Löscharbeiten konnte sich ein Großteil der Kräfte gegen 4.30 Uhr am Mittwochmorgen zurückziehen. Doch eine Staffel der Sulzbacher Feuerwehr blieb mit einer Drehleiter der Feuerwehr Hofheim vor Ort – und das zu Recht: Noch viele Stunden nach Ausbruch des Feuers entstanden neue Glutnester, die gelöscht werden mussten. Erst um 11 Uhr am Mittwochvormittag war der Einsatz offiziell beendet. Maach selbst war rund 21 Stunden dabei.
Die gute Nachricht in all dem Chaos: Niemand wurde verletzt. „Die Zusammenarbeit aller beteiligten Feuerwehren und Hilfsorganisationen hat hervorragend funktioniert“, so Maach erleichtert. Die Polizei hat inzwischen die Ermittlungen zur Brandursache übernommen.
Was bleibt, ist ein trauriges Bild der Verwüstung. Da sich auch ein Trafo-Kasten in dem betroffenen Gebäude befand, waren umliegende Gebäude zeitweise vom Stromnetz abgeschnitten – die Stromversorgung konnte inzwischen durch Mitarbeiter des Netzbetreibers Syna wiederhergestellt werden.
Die ansässigen Geschäfte – Jysk, das Schuhgeschäft Majo, der Motorrad-Store Polo und das Subway-Restaurant – bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Besonders hart trifft es das Schuhgeschäft Majo: Sprecher Nico Vetter berichtet, dass der Rauch massiv in den Laden gezogen ist. Allein der Schaden an Ware und Inneneinrichtung durch Rauch und Löschmittel bewege sich ersten Schätzungen zufolge im Millionenbereich. Vetter ist pessimistisch, was eine schnelle Wiedereröffnung angeht: „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es dieses Jahr nichts mehr wird.“ Die Mitarbeiter der Filiale sind vorerst freigestellt – Entlassungen soll es jedoch keine geben.
Auch Jysk-Sprecherin Julia Rojahn bestätigte, dass sich das Unternehmen aktuell mit allen relevanten Akteuren im Austausch befindet, um die Gesamtsituation zu bewerten.
Der Main-Taunus-Kreis hat in letzter Zeit einiges durchgemacht – von den Sorgen der Winzer rund um die frühe Weinlese bis hin zu diesem verheerenden Brand. Klar ist: Die Region hält zusammen. 170 Einsatzkräfte haben in 26 Stunden Außergewöhnliches geleistet. Hut ab vor jedem Einzelnen!
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