Die Solawi Friedberg-Dorheim feiert 10 Jahre Bio-Gemüse direkt vom Acker – mit 100 Mitgliedern und rund 50 Sorten ein Vorbild für die ganze Region.
Die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) Friedberg-Dorheim hat ihren zehnten Geburtstag gefeiert – und das mit allem, was dazugehört: Mitglieder, Besucher, Kaffee und Kuchen sowie ein leckeres Essen, das direkt vom eigenen Acker stammte und von der Familie Breidenbach aus Wöllstadt zubereitet wurde. Das Sommerfest fand direkt auf dem Acker statt und war gleichzeitig der offizielle Auftakt für die 11. Bio-Woche des Wetteraukreises. Moderiert hat die gesellige und informative Veranstaltung Vroni Bleymehl, Vorstandsmitglied der Solawi – für die musikalische Eröffnung sorgte das Musikcorps Dorheim mit Hits aus den aktuellen Charts.
Was 2016 mit 25 Gründungsmitgliedern begann, ist heute ein eingetragener Verein mit 100 Mitgliedern, die wöchentlich rund 50 verschiedene Gemüsesorten beziehen – alles nach den Richtlinien des Naturland-Siegels angebaut. Die Erste Kreisbeigeordnete und Landwirtschaftsdezernentin Birgit Weckler dankte sowohl den Landwirten Heike und Holger Pabst, die den Solawi-Acker und den 200 Quadratmeter großen Folientunnel zur Verfügung stellen, als auch den Gründungsmitgliedern der ersten Stunde.
„Regional angebautes und saisonal verwertetes Gemüse hat Vorbildfunktion für die gesamte Landwirtschaft hierzulande“, betonte Weckler. „Das erweist sich in einem Sommer wie diesem und in der aktuellen Weltlage ganz besonders.“ Das genossenschaftliche Modell gebe den Landwirten Abnahmesicherheit – und zeige, wie solidarisches Wirtschaften in der Praxis funktioniert.
Vorstandsmitglied Rita Eisenacher gewährte am Rande der Feier einen Blick in den Folientunnel: Dank aufwendiger Tröpfchenbewässerung gedeihen dort Tomaten, Paprika und weitere Gemüsesorten in sattem Grün – während anderswo selbst robuste Pflanzen auf den Feldern verbrannt sind. Auch das benachbarte Maisfeld steht in vollem Saft. Ein klares Zeichen dafür, wie durchdachte und ökologische Anbaumethoden auch in heißen Sommern den Unterschied machen können.
Dr. Vera Zimmermann von der Solawi Marburg, ehrenamtliche Netzwerkbotschafterin aller hessischen Solawis, erinnerte an die Anfänge: Ein Vortrag ihrer Kollegin Simone Ott in Dorheim war die Initialzündung für die Gründung. Bundesweit gab es 2015 erst 90 Solawis – heute sind es bereits 500, davon acht allein im Wetteraukreis, und 100 weitere befinden sich in Gründung. Zimmermanns Fazit: „Solawi ist politisch, genauso wie Essen selbst immer auch politisch ist.“
Christian Sperling, Leiter des Fachbereichs Landwirtschaft im Wetteraukreis, unterstrich die Bedeutung solidarischer Landwirtschaften für den Selbstversorgungsgrad Deutschlands – gerade in Zeiten unsicherer Lieferketten. Und er sprach aus persönlicher Erfahrung: „Mit der Mitgliedschaft beginnt man wieder mehr miteinander zu kochen – ein wesentlicher Teil des Lebens ändert sich.“
Gründungsmitglied Dieter Fitsch blickte auf die bewegte Geschichte der Solawi zurück: Von der Solidar- und Unterstützungsgemeinschaft hat sie sich 2019 in einen eingetragenen Verein gewandelt, ist gewachsen, hat sich professionalisiert – und das ganz durch Mundpropaganda und praktische Erfahrungen. Sein Fazit war eindeutig: „Die Solidarische Landwirtschaft ist das Gebot der Stunde. Nur der ökologische Landbau kann helfen, den Klimawandel zu bewältigen, die Böden zu bewahren und unabhängig von Lieferketten zu werden.“
Auch die Ökomodellregion Wetterau feiert in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag – ein tolles Doppeljubiläum für die Region! Wer sich für nachhaltiges, regionales Essen interessiert und mehr über das Solawi-Modell erfahren möchte: Schaut mal genauer hin, was direkt vor eurer Haustür wächst. Der Sound der Weltstadt kommt manchmal eben auch vom Acker.






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