Mitten in Frankfurt zerteilt eine Schrottschere Altmetall mit 1.350 Tonnen Kraft. Wie Rhein-Main-Rohstoffe täglich 600 Tonnen Schrott verarbeitet, erfährst du…
Wer schon mal gedacht hat, Frankfurt dreht sich nur um Banken und Skyline – der irrt gewaltig! Mitten in der Stadt, direkt am Main in der Gutleutstraße, passiert jeden Tag etwas, das man kaum glauben kann: Eine riesige Schrottschere schneidet Altmetall mit einer Kraft von 1.350 Tonnen – und das ist erst der Anfang der Geschichte von Rhein-Main-Rohstoffe, kurz RMR.
In Halle 1 wird das angelieferte Altmetall zunächst mit einem Druck von 1.000 Tonnen zusammengeschoben, bevor die gewaltige Schere das Material portionsgerecht zerteilt. Maschinen dieser Größenordnung haben nur wenige Unternehmen in Deutschland – RMR gehört dazu.
Auf dem 30 Hektar großen Gelände am Main kommen täglich rund 600 Tonnen Altmetall an, hauptsächlich per Sattelschlepper. Die RMR bezeichnet sich selbst als mittelständischer Schrotthändler und regionaler Marktführer. Rohstoffe werden von Industrieunternehmen, Entsorgungsbetrieben und dem Abbruchgewerbe angeliefert.
„Wir entsorgen die Industrie“, bringt es Geschäftsführer Moritz Jung auf den Punkt. Er verantwortet bei RMR den Bereich Eisen – und das ist eine ganz schön sperrige Angelegenheit. Für eine Tonne Eisen gibt es etwa 250 Euro. Das fertig geschnittene Eisen wird normalerweise auf Schiffe verladen, die Richtung Gent, Rotterdam, Antwerpen oder Kehl am Rhein fahren. Doch aktuell macht das Niedrigwasser im Rhein der RMR einen dicken Strich durch die Rechnung: Die Schifffahrt ist eingestellt, die Rohstoffe müssen zwischengelagert werden.
Kaufmännischer Geschäftsführer Bernd Ott macht keinen Hehl daraus, wie ernst die Lage ist: „Das Niedrigwasser trifft uns ganz extrem.“ Die Frachtkosten auf dem Wasser sind von früher zwölf Euro pro Tonne auf mittlerweile 90 Euro pro Tonne explodiert. Ein Teil des Eisenschrotts muss deshalb per Lastwagen abtransportiert werden – was auch den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens vergrößert.
Neben der rohen Kraft geht es bei RMR aber auch ganz filigran zu. In der sogenannten Metallhalle wird ausschließlich von Hand sortiert – rund 100 verschiedene Nicht-Eisen-Metalle (NE-Metalle) werden hier aufbereitet. Geschäftsführer Roland Friedrich, seit 40 Jahren im Geschäft, hat dort das Sagen.
Erfahrene Mitarbeiter wie Stefan Koch kennen die meisten Metalle auf den ersten Blick. Wenn’s mal knifflig wird, kommt eine Analysepistole mit Röntgenstrahl zum Einsatz, die die genaue Zusammensetzung eines Metalls verrät. Manchmal hilft aber selbst die nicht weiter – dann muss telefoniert und sogar ein Foto per Handy verschickt werden. „Das ist heute mit den Handys so einfach. Früher mussten wir ein Polaroid mit der Post verschicken“, schmunzelt Friedrich.
In der Metallhalle lagern echte Schätze: allein rund 25 Tonnen Kupferdraht, die Friedrich auf etwa 300.000 Euro schätzt. Wertvolle Metalle wie Kupfer, Nickel oder Wolfram dürfen nur in der Halle gelagert werden – sonst gibt’s keine Versicherung. Kupfer hat dabei einen besonderen Vorteil: Es findet noch einen Abnehmer in Deutschland, nämlich eine Kupferhütte in Lünen bei Dortmund. Aluminium, Zink oder Blei hingegen müssen ins Ausland. Rund 65 bis 70 Prozent des Materials verlassen die Bundesrepublik.
Damit keine unliebsamen Überraschungen aufs Gelände kommen, gibt es gleich an der Einfahrt eine Schleuse, die das Material der einfahrenden Lastwagen auf Radioaktivität durchleuchtet. Friedrich erklärt: „Das Gerät schlägt sogar an, wenn Sie beim Röntgen waren und Kontrastmittel getrunken haben.“ Autowracks werden in der Gutleutstraße 371 übrigens nicht verwertet – dafür fehlt sogar die Erlaubnis. Das ist schlicht nicht das Geschäft der RMR.
Trotz aller Herausforderungen – Niedrigwasser, explodierende Frachtkosten, permanenter Anpassungsdruck – ist RMR eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Das Unternehmen wurde erst 2015 gegründet und hat seitdem kräftig expandiert: Mittlerweile gibt es sechs Standorte und gut 120 Beschäftigte. Der Umsatz wuchs von 47 Millionen Euro im Gründungsjahr auf stolze 303 Millionen Euro zuletzt.
Und die Nähe zur Frankfurter Innenstadt ist dabei kein Zufall, sondern ein echter Vorteil: Auf den Großbaustellen der City fallen immer wieder riesige Mengen Abbruchmaterial an – und genau dafür ist RMR der richtige Partner direkt vor Ort. Der Sound der Weltstadt hat eben viele Facetten – und einer davon klingt nach 1.350 Tonnen Schnittkraft!






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